www.neher-group.com
  • Firma: Neher Group
  • Land: Deutschland
  • Artikel vom: 25 Juni 2014
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  • Artikel Nummer: 049-020-d
  • Kategorie(n): WERKZEUG ANWENDUNGEN
  • Vom „simplen“ Diamantwerkzeug zum Systemlieferanten

    Gerd Neher: „Viele unserer bestehenden Kunden – vorwiegend aus der Automobilindustrie – sind froh, jetzt von den Zerspanungswerkzeugen bis zur Dichtheitsprüfung alles aus einer Hand zu bekommen und nur einen Ansprechpartner zu haben.
    Andreas Oesterle: „Die Erwartungshaltungen der Kunden sind deutlich gestiegen und haben sich verändert. Das Ziel muss in erster Linie sein, dem Kunden für seine Vorstellungen und Bearbeitungsanforderungen unterschiedlichste und ausgereifte Konzepte anbiet
    Gökhan Sonuç: „Mit unseren Dichtheitsprüfanlagen und der dazugehörenden Automation haben wir auf bestehende Marktanforderungen reagiert. Inzwischen sind wir jedoch soweit, dass wir selbst Impulse geben.“
    Bei ZF Lenksysteme in Schwäbisch Gmünd steht diese Systemlösung. Die Neher Group lieferte die Präzisionswerkzeuge, um die Lenkgehäuse zu bearbeiten, aber auch das Förderband (Bildmitte) zu den Dichtheitsprüfstationen (links und rechts), die ebenfalls von
    Hier entstehen die Neher-Präzisionswerkzeuge: In der 2008 eingeweihten Produktionshalle stehen nur modernste Werkzeugmaschinen in heller, sauberer Umgebung. Eine zweite Halle ist in Planung.

    Der Name „Neher“ ist in der Metallbearbeitung ein Begriff für hochwertige PKD-Sonderwerkzeuge, die den Fertigungsprozess von Getriebe- und Lenkungsgehäuse, Motorblöcken und Zylinderköpfen optimieren. Doch das Unternehmen hat sich zum Systemanbieter weiterentwickelt, der nicht nur Werkzeuge aus PKD und CVD anbietet, sondern ein Gesamtpaket, das auch Spannvorrichtungen, Förder- und Hebemittel sowie Dichtheitsprüfanlagen der bearbeiteten Teile enthält. Die Neher-Group bietet erweitertes Produktportfolio bis zur Dichtheitsprüfung.

    Das Markenzeichen der im oberschwäbischen Ostrach-Einhart ansässigen Neher-Group ist ein stilisierter Diamant. Er symbolisiert das Kerngeschäft des 1990 gegründeten Unternehmens: Werkzeuge aus polykristallinem Diamant. Diese sind durch ihre Härte und ihren hohen Abrasionswiderstand besonders zum Zerspanen von Leichtbauwerkstoffen wie Aluminium- und Magnesiumlegierungen sowie Verbundwerkstoffen geeignet. Sie erreichen Schnittwerte und Standzeiten, die mit kaum einem anderen Schneidstoff realisierbar sind. Geschäftsführer Gerd Neher erklärt: „Über die Jahre haben wir uns ein Know-how erarbeitet, das insbesondere bei individuellen Sonderwerkzeugen liegt, die wir in intensiver Zusammenarbeit mit unseren Kunden entwickeln. Wir produzieren zum Beispiel Zirkularfräser, Plan- und Profilfräser, Stufenreibahlen, Aufbohr-, Kombi- und Senkwerkzeuge, mit denen unsere Kunden ihre Fertigungsprozesse optimieren.“

    Doch diese von der Neher-Dia GmbH & Co. KG hergestellten PKD-Werkzeuge waren Gerd Neher nicht genug. Um seinen Kunden optimale Produktionsprozesse zu ermöglichen, entwickelte er sein Unternehmen weiter. Er baute das Werkzeugsortiment aus, indem er beispielsweise Produkte aus Vollhartmetall und dem zukunftsträchtigen CVD mit aufnahm. Außerdem entwickelte das Unternehmen ein Automatisierungsangebot, das den Anwender von der Zerspanung bis zu Dichtheitsprüfung unterstützt. Aus dem spezialisierten PKD-Werkzeughersteller wurde mittlerweile die „Neher-Group“, ein eng verzahnter Verbund der Unternehmen Neher Dia (PKD-Präzisionswerkzeuge), Neher Future Tools (CVD-Präzisionswerkzeuge und Spanleitstufen) und Neher Automation (Dichtheitsprüfung und Automationslösungen).

    Die Auftragsbücher sind voll, eine zusätzliche Fertigungshalle ist in Planung, und Gerd Neher sieht sich in seinem Ausbau zum Systemlieferanten bestätigt: „Viele unserer bestehenden Kunden – vorwiegend aus der Automobilindustrie – sind froh, jetzt von den Zerspanungswerkzeugen bis zur Dichtheitsprüfung alles aus einer Hand zu bekommen und nur einen Ansprechpartner zu haben. Aber es tun sich auch völlig neue Möglichkeiten auf, in andere Branchen wie zum Beispiel die Lebensmittel- oder Haushaltgeräte-Industrie vorzustoßen.

    PKD-Werkzeuge

    fürs Grobe und Feine

    Das Kernprodukt der 70 Mitarbeiter starken Neher-Group sind weiterhin die individuellen, meist mehrstufigen PKD-Werkzeuge, die unter anderem zur wirtschaftlichen Bearbeitung von Getriebegehäusen genutzt werden. Sie können zum Teil bis zu fünf konventionelle Bohr- und Fräswerkzeuge ersetzen – bei hoher Qualität und Maßhaltigkeit. So lassen sich Werkzeugwechsel einsparen und Taktzeiten verkürzen. Die Werkzeuge zeichnen sich durch hohe Präzision und lange Standzeiten aus. Für letztgenannte Eigenschaft ist zum einen der Werkstoff PKD verantwortlich. Zum anderen spielen die Schneidgeometrie und andere herstellerspezifische Faktoren eine wichtige Rolle. Um dieses Know-how weiter auszubauen, hat der Geschäftsführer sein Neher Dia-Team um einen technologisch besonders versierten und erfahrenen Mitarbeiter erweitert: Andreas Oesterle. Mit vielen am Markt etablierten Werkzeugentwicklungen und durchdachten Sonderlösungen gehört Oesterle seit Jahren für viele Unternehmen zum Partner für erfolgreiche und rationelle Prozessoptimierungen. Er befasst sich seit vielen Jahren mit der Entwicklung und Herstellung von PKD-Werkzeugen und treibt nun bei Neher-Dia unter anderem die Entwicklung von Werkzeugen zur Feinstbearbeitung, modularen Werkzeugsystemen sowie dem Aufbau neuer und moderner Zerspanungskonzepte voran. Mit diesem starken Portfolio und einem komplettiertem Werkzeugsortiment kann das Unternehmen zukünftig alle Zerspanungswerkzeuge zur kompletten Bearbeitung ab dem Gussteil liefern.

    CVD: Werkzeuge mit weitreichenden Perspektiven

    Um für besonders schwer zu zerspanende, abrasive Werkstoffe optimale Diamant-Werkzeuge anbieten zu können, hat Gerd Neher 2011 mit seinem Partner Andreas Goldberger die Neher Future Tools GmbH gegründet. Sie widmet sich dem Einsatz des CVD-Diamanten, der durch chemische Gasphasenabscheidung (Chemical Vapor Deposition) erzeugt wird. Dieser als Dick- und Dünnschicht-Diamant verfügbare Schneidstoff bringt Eigenschaften mit sich, die dem monokristallinen Diamanten ganz nahe kommen. CVD-Diamant ist noch härter als PKD und übertrifft diesen hinsichtlich Verschleißfestigkeit bei weitem. Neher Future Tools ist in der Lage, aus einem solchen polykristallinen Dick- und Dünnschicht-CVD-Diamanten Werkzeuge zu fertigen. Geschäftsführer Andreas Goldberger setzt dafür neueste Lasertechnologie ein, die bis zu 0,002 mm genaue Ergebnisse erzielt: „Wir haben drei verschiedene Laser-Maschinen, um rotierende und stehende Werkzeuge sowie Spanleitstufen optimal bearbeiten zu können. Nur so lassen sich nahezu alle vorstellbaren Geometrien herstellen – ob scharf oder verrundet, ob positive oder negative Fase.“ Besonderes Highlight der Neher CVD-Werkzeuge sind die auf die Kundenanforderungen individuell abgestimmten 3D-Spanleitstufen, die in Wendeschneidplatten, Stechklingen oder Stufenbohrer eingebracht werden. Sie lassen Spanfluss-Probleme erst gar nicht entstehen. Um noch schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können und die Lieferzeiten zu verkürzen, wurde die Produktion der Neher Future Tools im Oktober 2013 von Telfs (Österreich) an den Neher-Stammsitz nach Ostrach-Einhart verlagert.

    CVD-Diamant bietet ein enormes Rationalisierungspotential in der Zerspanung, das Neher Future Tools Schritt für Schritt erschließen hilft. Während bisher vor allem Fräser und Wendeschneidplatten aus Dickschicht-CVD-Diamant hergestellt wurden, erweitert Neher das Programm gerade um Bohrer aus diesem Material. Ein Anwender (und Entwicklungspartner) aus der Luft- und Raumfahrt konnte mit diesen neuen Bohrwerkzeugen bereits sehr gute Ergebnisse erzielen. Um solche Entwicklungen weiter voranzutreiben, ist Neher Future Tools auch an einem ZIM-Förderprojekt beteiligt, das sich mit der Zerspanung von Matrix-Verbundmaterialien aus Kunststoffen und Leichtbaumetallen beschäftigt. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist ein bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm für mittelständische Unternehmen und wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen, die mit diesen zusammenarbeiten.

    Automatisierung bis zur Dichtheitsprüfung

    Einen wesentlichen Schritt in Richtung Systemlieferant tat Gerd Neher 2012 mit der Gründung der Neher Automation GmbH. Er argumentiert: „Gehäuse und Deckel von Lenkungen und Getrieben müssen nach der Produktion auf Dichtheit geprüft werden. Das geschieht in vielen Fällen noch im Wasserbad. Wir wollten unseren Kunden behilflich sein, den an die Zerspanung anschließenden Prozessschritt schneller, einfacher und sicherer zu machen. Inzwischen können wir das mithilfe verschiedener Automatisierungskomponenten bis hin zu modularen Dichtheitsprüfanlagen leisten.“

    Gökhan Sonuç, Geschäftsführer von Neher Automation, baut mit seinem sechsköpfigen Team dieses Angebot konsequent aus: „Wenn die Neher-Group einem Kunden die Werkzeuge liefert, können wir aus diesem Wissen heraus– wenn gewünscht – passende Sonderspannvorrichtungen entwickeln und fertigen. Dabei werden alle Störkonturen berücksichtigt und der Bearbeitungsprozess durch FEM-Analyse optimiert. Bei der Auslegung der Spannaufnahme nutzen wir die Poka-Yoke-Methode, um menschliche und System-Fehler zu vermeiden.“ Für den Weg von der Zerspanung bis zur Dichtheitsprüfung hat Neher Automation verschiedene Komponenten im Programm, wie zum Beispiel Sonderhebezeuge, die ebenfalls nach Kundenanforderung entwickelt werden. Für den reibungslosen Transport der Teile sorgen kundenspezifische Förderbänder, die nach Baukastensystem zusammengestellt werden können. Auch eine Teilekennzeichnung kann in die Prozesskette integriert werden. Dafür hat Neher eine Laseranlage entwickelt, die sich für den industriellen Dauerbetrieb eignet. Neben einem Faserlaser der Schutzklasse 1 gehören eine Absaugung und Ergebnisüberwachung via Kamera zur Standardausstattung. Ein Highlight sind die von Neher Automation entwickelten Dichtheitsprüfanlagen, die in zwei Größen zur Verfügung stehen: die DX01 für kleine bis mittlere Werkstücke bis zu 2t Haltekraft und die DX02 Dichtheitsprüfanlage für große Werkstücke bis zu 30t Haltekraft. Beide bestehen jeweils aus einer Basisstation mit Steuer- und Sicherheitssystem sowie werkstücktypabhängigen Modulen, die je nach Bedarf eingewechselt werden können. Das dauert weniger als 30 Sekunden und sorgt für hohe Wirtschaftlichkeit bei großer Variantenvielfalt. Da die Anlage rein pneumatisch angesteuert wird und auf hydraulische Komponenten verzichtet, ist zudem ein sauberer Arbeitsbereich gewährleistet. Gökhan Sonuç betont: „Mit diesen Prüfanlagen und der dazugehörenden Automation haben wir auf bestehende Marktanforderungen reagiert. Inzwischen sind wir jedoch soweit, dass wir selbst Impulse geben. So entwickeln wir gerade im Rahmen eines ZIM-Projektes eine Dichtheitsprüfanlage auf rein elektrischer Basis, die dadurch besonders energieeffizient arbeitet.“

    Praxisbeispiel

    Stand Mai 2014 hat Neher Automation zwölf Dichtheitsprüfanlagen bei Kunden aus der Automobilindustrie installiert, wie zum Beispiel bei ZF Lenksysteme in Schwäbisch Gmünd. Dort werden mit Neher Präzisionswerkzeugen Lenkgehäuse bearbeitet, die nach dem Durchlaufen einer Waschmaschine über ein Förderband zu den sechs Dichtheitsprüfstationen transportiert werden. Für die unterschiedlichen Werkstücktypen hat Neher 14 verschiedene Module entwickelt, die für einen zuverlässigen Prüfablauf sorgen. Fertigungsleiter Thomas Schübel ist vom Systemlieferantkonzept begeistert: „Wir schätzen die Firma Neher Automation als Partner für unsere Projekte sehr. Neher arbeitet äußerst lösungsorientiert und geht als Systemlieferant perfekt auf kundenspezifische Anforderungen ein. Auf dieser Basis haben wir gemeinsam mit Neher bereits mehrere technisch innovative wie wertschöpfungsoptimierende Automatisierungsapplikationen für die Gehäusefertigung entwickelt.“ Das freut auch Gökhan Sonuç und sein Team: „Die Neher Group ist derzeit weltweit der einzige Werkzeughersteller, der ein solches Komplettsystem vom Präzisionswerkzeug bis zur Dichtheitsprüfanlage anbieten kann. Für die Anwender entstehen daraus vielfältige Vorteile vom Zeitgewinn bis zu höherer Prozesssicherheit. Das ist für uns Grund genug, das Automatisierungsangebot weiter auszubauen.“

    Firmeninfo

    Der Präzisionswerkzeughersteller Neher im oberschwäbischen Ostrach-Einhart wurde 1990 von Fritz Neher gegründet. 2006 übergab er die Geschäfte an seinen Sohn Gerd Neher, der ihm schon seit vielen Jahren im Unternehmen zur Seite stand. Von Anfang an war Neher auf hochwertige PKD-Werkzeuge spezialisiert, 95 Prozent davon individuelle Sonderwerkzeuge, konstruiert zur Optimierung eines bestimmten Fertigungsprozesses. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen zur Neher Group weiterentwickelt, die aus den drei Firmen Neher Dia (PKD-Präzisionswerkzeuge), Neher Future Tools (CVD-Präzisionswerkzeuge und Spanleitstufen) und Neher Automation (Dichtheitsprüfung und Automationslösungen) besteht. Die Neher-Group beschäftigt etwa 70 Mitarbeiter, die 2013 einen Umsatz von 7 Mio. € erwirtschafteten. Neher beliefert 268 Kunden in neun Ländern, darunter Alno, Georg Fischer, Handtmann, Leiber Group, MTU, VW, ZF Group und viele andere.

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