• Firma: Vollmer Gruppe
  • Land: Deutschland
  • Autor(en): Tilo Michal, Dr. Stefan Brand
  • Artikel vom: 18 August 2011
  • Seitenaufrufe: 3652
  • Kategorie(n): WERKZEUG FERTIGUNG, Laserbearbeitung
  • Schlüsselbegriffe: Bearbeitung von PKD, Schneiden von CVD-Blanks
  • „Wenn wir mit dem Laser auf den Markt gehen, dann werden wir ihn direkt an der Schneidkante einsetzen, um diese präziser zu schärfen“

    Dr. Stefan Brand

    Noch vor wenigen Jahren ist die Lasertechnologie in der Fertigung faktisch nur der Beschriftung von Werkstücken vorbehalten gewesen. Mittlerweile ist sie aber in vielen unterschiedlichen Disziplinen recht selbstsicher zu Hause:

    Schneiden von CVD-Blanks, Bearbeitung von PKD, Einbringen von Spanleitstufen, Ersatz von Fräsoperationen mit anspruchsvoller Geometrie, Endbearbeitung von Schneidkanten, Mikrobearbeitung etc. Auf der EMO, die in wenigen Tagen beginnt, werden viele Maschinenhersteller ihre neueste Generation von Lasermaschinen mit Stolz geschwellter Brust präsentieren. Anlass um mit Dr. Stefan Brand, Geschäftsführer der Vollmer Gruppe, die ebenfalls Aussteller auf der EMO ist, das Thema Lasertechnologie auszuleuchten.


    Das Gespräch führte unser Redaktionsleiter Tilo Michal.

    DIAMOND BUSINESS: Das Angebot an Maschinen, mit denen per Laser „klassische“ Produktionsverfahren wie Schleifen, Zerspanen, Schneiden oder Erodieren substituiert werden können, wird immer größer und die Nachfrage nach diesen Maschinen zieht stetig an. Womit erklären Sie sich die Nachfrage nach diesen „Zauberkisten“, schließlich handelt es sich ja um teure High-End-Produkte, die sich nicht durch Kleinserien- Aufträge amortisieren?

    Stefan Brand: Der Laser birgt in vielen Bereichen der Metallbearbeitung das Potenzial, entscheidende Fortschritte bei der Bearbeitung zu erzielen, vor allem wenn es um Qualitätssteigerungen und Präzision geht. Derzeit beschränkt sich der Laser auf Anwendungsfelder, die zwar in Richtung Werkzeug gehen, aber nicht direkt am Werkzeug sind. Hier, direkt am Werkzeug, ist der Laser noch nicht so weit, dass er gegenüber den herkömmlichen Technologien einen signifikanten Mehrwert bieten könnte. Zudem sehen wir den Laser nicht als „Substitution“ bisheriger Technologien, sondern als Ergänzung im Bereich der Schärftechnologien. Auch in Zukunft werden unsere Maschinen erodieren und wie bisher klassisch mit Schleifscheiben die Werkzeugkanten bearbeiten. Wir setzen den Laser nur dann ein, wenn er auch wirtschaftliche Vorteile für unsere Kunden verspricht und sich amortisiert.


    DIAMOND BUSINESS: Lasermaschine ist nicht gleich Lasermaschine, schließlich kommt es auf die Lichtquelle an, die eingesetzt wird, CO2-Laser, Yag- Laser oder Faserlaser: Alle Maschinenhersteller müssen diese Lichtquellen zukaufen. Ist das Angebot hierzu auf dem Markt tief genug; in der Fertigung vor Ort gibt es konkret immer wieder Probleme, die man mit den Begriffen „ungewollte Ablenkung des Laserstrahls“, „Reflexion“ oder „Kegelbildung“ belegt...

    Stefan Brand: Richtig, Laser ist nicht gleich Laser und jeder Lasertyp hat seine ganz bestimmten Anwendungsfelder. Bei uns ist vor allem der Kurzpuls-Laser seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Aber noch sind die verfügbaren Laserquellen nicht in der Lage, unseren Anspruch an Präzision und Leistung zu erfüllen, doch wir sind auf einem guten Weg. Die von Ihnen beschriebenen Probleme kennen wir und gemeinsam mit den Herstellern von Lasermaschinen arbeiten wir daran, dem Laser das Potenzial zu entlocken, das wir von ihm erwarten.


    DIAMOND BUSINESS: Dass sich Vollmer als einer der weltweit führenden Schärf- und Erodier- Spezialisten auch für die Lasertechnologie interessiert, liegt fast schon auf der Hand. Aber wann werden Sie eine Maschine mit Lasertechnologie im Portfolio haben? Was versprechen Sie sich von dieser und wo sehen Sie deren Haupteinsatzpotenzial?

    Stefan Brand: Wir werden dann mit unseren laserbasierten Schärfmaschinen auf den Markt gehen, wenn wir uns sicher sind, dass sie unsere Kunden gewinnbringend einsetzen können. Derzeit ist es so, dass wir keine fertigen Produkte im Laserumfeld anbieten können, die den Ansprüchen der Vollmer Qualität gerecht werden. Im Bereich der Forschung und Entwicklung rechnen wir bis Anfang 2012 nochmals mit einem mächtigen Innovationsschub, der uns einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Serienmaschine bringt und über den wir dann auch gerne sprechen können. Und wenn wir mit dem Laser auf den Markt gehen, dann werden wir ihn direkt an der Schneidkante einsetzen, um diese präziser zu schärfen.


    DIAMOND BUSINESS: Seit Jahren gibt es einen Trend weg von spezialisierten Produktionsmaschinen, die jeweils nur eine Operation durchführen können, hin zu so genannten Multifunktionsmaschinen, auch Bearbeitungszentren genannt. Dort kann dann im Idealfall ein Werkstück ohne Umspannen gedreht, gefräst, geschliffen und gefinisht werden. Wenn man diese (fünfachsigen) Maschinen jetzt noch mit Lasertechnologie ausstattet – davon wird es auf der EMO einige Beispiele zu sehen geben – dann hat man doch tatsächlich das Milch gebende Wollschwein für die Produktion erschaffen...

    Stefan Brand : So wenig wie die Natur ein derartiges Wundertier hervorbringt, so wenig wird dies auch im Maschinenbau der Fall sein. Aber Sie haben recht, auch unsere Maschinen werden immer multifunktionaler. So zeigen wir auf der EMO unsere Universalmaschine QXD 200, die in einer Aufspannung PKD-Schneiden messen, erodieren, schleifen und polieren kann. Die QXD 200 lässt sich modular erweitern, um beispielsweise komplexe PKD-Bohrwerkzeuge zu bearbeiten. Hierzu haben wir vor einem Jahr die Software ExLevel auf den Markt gebracht. Auf der EMO zeigen wir eine neue Funktion, mit der die QXD 200 PKD-Fräswerkzeuge automatisch polieren kann, um deren Qualität und Standzeiten zu erhöhen. Ziel ist es hier, eine hochpräzise und stabile Plattform wie die QXD 200 multifunktional für verschiedenste Anwendungen einzusetzen, aber das von Ihnen erwähnte „Milch gebende Wollschwein“ wird auch die QXD 200 nicht werden.


    DIAMOND BUSINESS: Wo meinen Sie, gerät die Lasertechnologie an ihre Grenzen oder wo bleiben „klassische“ Fertigungsverfahren vielleicht noch auf Jahre hinaus überlegen?

    Stefan Brand: Die Grenzen sehen wir schon heute, der Laser ist noch nicht überall inder Metallbearbeitung so weit entwickelt, dass er signifikante Vorteile verspricht. Was wir aus dem Laser machen können, das werden die kommenden Jahre zeigen. Sicher ist, dass die klassischen Fertigungsverfahren nie verschwinden werden und der Laser sich nur dort durchsetzen kann, wo er wirtschaftlich sinnvoll ist.