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  • Firma: Schnarrenberger Gruppe GmbH
  • Autor(en): Tilo Michal
  • Artikel eingestellt am: Donnerstag, 22 November 2012
  • Seitenaufrufe: 2829
  • Es begann mit einem geplatzten Traum

    Es begann mit einem geplatzten Traum
    Es begann mit einem geplatzten Traum

    Pia Schnarrenberger ist eine der wenigen Frauen in der Präzisionsbearbeitungs-Branche, die an der Spitze eines Unternehmens steht. Vor fünf Jahren ist sie in den eigenen Familienbetrieb Schnarrenberger eingestiegen. Sie durchlebte in kurzer Zeit zahlreiche Umstrukturierungen und überlebte, betrieblich gesehen, die Konjunkturkrise 2009.

    Ihr Credo: Mit überdurchschnittlicher Produktqualität, Geduld und der richtigen Marktpositionierung kann man die Zukunft erfolgreich gestalten – ein Portrait der Unternehmensgruppe Schnarrenberger und deren Frau an der Spitze.

    Das Gestalten lag Pia Schnarrenberger wohl schon immer am Herzen und es scheint ihr ja auch zu liegen. Doch für sich selbst hatte sie das Gestalten ursprünglich ganz anders definiert: Produkte und Konsumgüter wollte sie designen. Produktdesign studierte sie, wollte sich damit ihren beruflichen Traum erfüllen. Doch der blieb zunächst auf der Strecke: „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man es mit dem Planen nicht übertreiben sollte“, berichtet Pia Schnarrenberger, denn sowohl Lebenssituationen als auch die Rahmenbedingungen für einen mittelständischen Familienbetrieb können sich unerwartet schnell ändern. Dann ist Flexibilität gefragt. “ Eine dieser unerwarteten Veränderungen traf sie schon zwei Jahre nachdem sie sich entschlossen hatte in den elterlichen Betrieb einzusteigen, den Großvater Hugo Schnarrenberger 1954 gründetet hatte: Die große Auftragskrise von 2009. Hier zeigte sie hohe Flexibilität und Organisationsgeschick und es zeigte sich auch, dass die Strukturen, die ihr Vater Günter bis dahin geschaffen hatte, nach wie vor funktionierten. Schnarrenberger war bis 2005 in erster Linie eine Handelsvertretung für rotierende Schleifwerkzeuge. Doch dann 2005, hat er die Schnarrenberger-Produktion aufgebaut, um intensiver auf Es begann mit einem geplatzten Traum Kundenwünsche und Markterfordernisse eingehen zu können, der Einstieg in das heute weit diversifizierte Unternehmen, das aus den „Töchtern“ Handel von konventionellen Schleifscheiben, Produktion von cBN- und Diamantschleifkörpern, Anwendungsberatung, Lohn-Trowalisieren und einer Holding darüber besteht. „Diese für einen Betrieb unserer Größe relativ breite Aufstellung bedeutet, dass wir nicht zu abhängig von einigen wenigen Kunden oder nur einem Branchensegment sind“, erklärt Pia Schnarrenberger. 2004 war diese Aufsplittung noch von ihrem Vater eingeleitet worden. Nachdem 2006 die Produktionsfläche um 1500 Quadratmeter erweitert worden war, steigt sie im Folgejahr in die Geschäftsführung neben Vater Günter Schnarrenberger ein. Zunächst hatte sie sich zwei Jahre Probeoder Bedenkzeit erbeten...

    Die Entscheidung im Krisenjahr

    Sie bleibt und es folgt sofort die Nagelprobe. Doch es zeigt sich, dass die Schnarrenberger- Gruppe ohne extreme Blessuren durch das Konjunkturloch kommt. Eine neue EDV, die den unternehmerischen Austausch zwischen Verkauf, Vertrieb, Services und Produktion optimiert, wird sogar noch in diesem Jahr aufgesetzt. Doch damit nicht genug: Das Drängen der Märkte nach immer effizienteren Lösungen kundenseits bricht sich auch bei Schnarrenberger die Bahn. „Wir mussten immer mehr Lagerkapazitäten aufbauen, weil der Markt dies verlangte, um die Lieferzeiten möglichst nahe und just in time an die Bestellung zu bringen. Das bindet aber enorm Kapital.“ Durch diese Erfahrung bleibt Schnarrenberger aber flexibel, nicht nur was den Lagerbestand angeht: Ein Hauptaugenmerk liegt jetzt auf der hauseigenen Produktion. „Wir wollten schon immer mehr Einfluss auf die Produkte nehmen und exakt definierte Kundenwünsche erfüllen. Individuelle Lösungen, immer höhere Werkzeug-Standzeiten, immer schnellere Spindel- Umdrehungen, immer mehr Performance ist das, was der Markt wohl auch in Zukunft wünscht“, ist sich Schnarrenberger sicher. Und die Diamant- und cBN-keramisch gebundenen Schleifscheiben von Schnarrenberger treffen genau auf diese Anforderungen. „Ich denke, wir haben den Trend zur richtigen Zeit erkannt. Wobei wir hier oft auch die Ansprüche unserer Kunden umgesetzt haben“, berichtet Pia Schnarrenberger weiter. Selbstverständlich hält das Familienunternehmen aber auch an den etablierten Produkten und Dienstleistungen, wie dem Verkauf von Edelkorund-Silizium Schleifscheiben oder dem Lohn-Trowalisieren von Werkstücken fest. Doch nun ist das Unternehmen im Vergleich zu früher in verschiedene Tochter GmbHs aufgesplitet und überall ist Pia Schnarrenberger eingebunden. Somit ist auch ein stufenweiser Übergang auf die dritte Generation eingeleitet und sichergestellt.

    Innovationen und Engagement

    „Ohne hauseigene Innovationen, wie die Tension-Schleifscheibe für die Hochgeschwindigkeits- Präzisionsfertigung würde unser Unternehmen in gewissen Bereichen einfach stagnieren und wir könnten keine neuen Märkte mehr erschließen. Unsere Tension- Scheibe ist stark gewichtsreduziert, schwingungsarm und von hoher Festigkeit.“, berichtet die Unternehmerin. Und auch bei der Innovation von neuen Schleifscheiben- Belägen ist Schnarrenberger immer mit vorne dran. Eine Forschungs-Kooperation mit der Hochschule Kempten bringt für beide Seiten positive und innovative Impulse. „Gerade, was den Schleifscheiben- Belag angeht, gibt es noch viel Zukunftspotenzial. Da kann man noch Vieles machen, z. B große Scheibendurchmesser in Segmenten pressen, Belag aufkleben, dann überschleifen, je nach Anwenderwunsch. Wir machen hier schon beim Pressen ganz besondere Formen. Das ist sehr aufwendig. Durch die eigene Entwicklung sind wir als Nischenlieferant für Sonderwerkzeuge sehr gefragt.“ Doch Schnarrenberger gibt sich nicht mit dem Erreichten zufrieden: „Wir arbeiten momentan auch an der Weiterentwicklung unseres Unternehmens. Das betrifft Umweltschutz, Personalführung und selbstverständlich weiterhin die Produktion. In der Produktqualität sind wir überdurchschnittlich gut“, freut sich Pia Schnarrenberger. Dies ist beim Benchmarking-Bericht der Hochschule St. Gallen von Ethics in Business bescheinigt worden. Momentan feilt sie an einer Betriebsordnung, die alsbald festgeschrieben werden soll. Sehr viel Arbeit für eine Frau, die sich „nebenher“ auch noch um ihre schulpflichtige Tochter kümmert. „Für Hobbys bleibt da wenig Zeit“, berichtet sie. Doch ab und an büchst sie dann doch aus dem Firmenalltag aus und genießt ein paar Kilometer lang das Fahren in ihrem Youngtimer, einem Daimler Typ 123, 230 E. Zumindest diesen mobilen Traum eines Design-Klassikers konnte sie sich erfüllen. Und da gibt es selbstverständlich auch Anknüpfungspunkte zu ihrem Berufstraum des Produktdesigns. Eines Tages gibt es dann eventuell doch noch ein Design-Büro unter dem Namen Schnarrenberger – es wäre nicht die einzige Firma unter diesem bekannten Label.