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  • Firma: Johs. Boss GmbH & Co. KG
  • Autor(en): Katja Dümpert
  • Artikel eingestellt am: Donnerstag, 27 November 2014
  • Artikel: 051-052-d
  • Seitenaufrufe: 2427
  • Flexibel und am Puls des Marktes

    Heinz Boss, Melanie Boss, Sven Blickle (v.l.n.r.) Partnerschaft „Made in Germany“
    JBO: „klein“ genug, um schnell und fl exibel reagieren zu können - groß genug für eine hochwertige und zuverlässige Fertigung.
    Drahterodierte Schneidkante
    Lasergeschnittene Schneidkante
    Flexibel und am Puls des Marktes

    Heinz Boss und seine Tochter Melanie Boss mit Ehemann Sven Blicke informieren im Gespräch über die derzeitige Situation bei Johs. Boss, über Innovationen und Ziele im Unternehmen.

    DIAMOND BUSINESS: Wie ist zurzeit die Situation bei Johs. Boss?

    Heinz Boss: Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen, wir haben ein echtes Plus gegenüber dem vergangenen Jahr. Um noch schneller liefern zu können, haben wir in diesem Jahr weitere Mitarbeiter eingestellt.

    DIAMOND BUSINESS: Wie sieht Ihr aktuelles Produktportfolio aus?

    Heinz Boss: Wir können drei Marktnischen bedienen: Gewindefräser, Gewindeschneideisen und Gewindelehren. Durch den Einzug der NCTechnologie beim Drehen Mitte der 80er Jahre, ging die Nachfrage nach Gewindeschneideisen zurück und andere Märkte wurden aufgetan. Wir sind Marktführer bei den Gewindeschneideisen und punkten mit dem umfangreichsten Sortiment von Gewindefräsern und Gewindelehren.
    Außerdem konnten wir einen neuartigen Glockengewindefräser mit sogenannten Wechselfräseinsätzen entwickeln, der ideal für schwer zerspanbare Werkstoffe und große Losgrößen und europaweit patentiert ist. Seine höhere Schneidenanzahl erlaubt höhere Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe.

    Sven Blicke: In Projekten entstand der Bedarf nach PKD/cBN und CVD Werkzeugen für einige unserer Kunden. Diese wurden im Haus entwickelt und zunächst extern gefertigt. Unser Anliegen war es, die Präzision zu steigern, mehr Innovationen nach vorne zu treiben und auch neue Märkte außerhalb des Gewindesektors zu bedienen. Deshalb haben wir uns diese Technologie ins Haus geholt. Nachdem der Markt eingehend analysiert wurde, haben wir vorausschauend in die Lasertechnologie investiert und sind seit zwei Jahren in der Lage alle Arten von PKD/cBN und CVD Werkzeugen anzubieten, natürlich mit den erkennbaren Vorteilen durch die Laserbearbeitung.

    DIAMOND BUSINESS: Worin liegt Ihr strategischer Vorteil?

    Melanie Boss: Wir sind an einem Produktionsstandort, arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, beraten diese kompetent und lassen die Kundenwünsche sofort in unsere Produkte mit einfließen.

    Heinz Boss: Schon Anfang der 60er Jahre wurde begonnen, die Produktion zu automatisieren und ein „kleiner Maschinenbau“ gegründet. Das betreiben wir in begrenztem Umfang auch heute noch. Mittlerweile hat sich ein gutes Engineering etabliert und wir können dadurch sehr flexibel auf die Anforderungen des Marktes reagieren. Die Flexibilität ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, mit dem wir überzeugen können. Unser Fokus liegt immer auf den neuesten Technologien und wir sind der Spezialist für schwierige Aufgabenstellungen. Damit sind wir natürlich auch interessant für Global Player, das heißt, wir arbeiten auch mit weltweit vernetzten Firmen zusammen, die diese Werkzeuge nicht im Programm haben und bei uns zukaufen.

    Sven Blicke: Wir sind stark spezialisiert. Alles was wir auf den Markt bringen ist ausgereift und hat viele Testphasen durchlaufen. Zusätzlich bieten wir ausgezeichneten Service. Bei jeder Anfrage erhält der Kunde eine Zeichnung, um das geplante Werkzeug genauestens prüfen zu können. Wir bieten weiterhin unsere Unterstützung beispielsweise durch unser Programmiertool JBOtronic oder als kompetente Berater direkt an der Maschine.

    DIAMOND BUSINESS: Wie groß ist die Konkurrenz in Osteuropa bzw. dem asiatischen Raum?

    Heinz Boss: Die gibt es natürlich. Hin und wieder bricht uns etwas im „Billig-Bereich“ ab, aber auch nur dort, wo Kunden geringere Anforderungen stellen. Wir steuern mit höherer Technologie und Innovationen dagegen an. Um am Markt bestehen zu können, müssen sie sich als Unternehmer immer wieder neu ausrichten. Laufend haben wir unser Portfolio vergrößert. 1985 waren es die Gewindelehren, 1990 die Gewindefräser und vor wenigen Jahren die hartstoffbestückten Werkzeuge.

    DIAMOND BUSINESS: Welche Entwicklungen bereiten Ihnen Sorgen?

    Sven Blicke: Es gibt Konzerne, die weltweit vertreten sind, die alle Bereiche aus dem Zerspanungssektor anbieten. Wir sind jedoch ein Nischen-Spezialist mit über 100 Jahren Gewindekompetenz und einer hohen Fertigungstiefe. Wir als Spezialist werden dann wieder gerufen, wenn es Probleme gibt.

    Heinz Boss: Außerdem wird durch die weltweite Globalisierung neben der Lieferung auch ein Vorort-Service erwartet. Den können wir natürlich bedingt durch den zentralisierten Produktionsstandort nicht immer zeitnah bieten. Aktuell liefern wir in 63 verschiedene Länder, schwerpunktmäßig beliefern wir unsere Kunden in Deutschland, Westeuropa und den USA.

    DIAMOND BUSINESS: Wie viele Mitarbeiter gibt es bei Ihnen in der Forschung und Entwicklung?

    Melanie Boss: Unsere Konstruktions- und Entwicklungsabteilung besteht derzeit aus vier Mitarbeitern, welche sehr eng mit den Anwendungstechnikern zusammenarbeiten, um sowohl Produktverbesserungen als auch Produktneuentwicklungen zu realisieren. In einem Familienunternehmen sind natürlich auch die Geschäftsleitung, insbesondere mein Mann und mein Vater darin involviert.

    DIAMOND BUSINESS: Gibt es Neuigkeiten im Unternehmen über die Sie berichten möchten?

    Heinz Boss: Wir konnten vor kurzem die „eMultiCheck“ auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich um ein Gewinde-Prüfinstrument. Die Elektronik erkennt das Gewinde und startet den Prüfvorgang durch Eindrehen des Gutlehrdornes mit einem definierten Drehmoment. Das Gewinde wird geprüft und die Gewindetiefe gemessen. Mit der hohen Technologie des Gerätes haben wir eine Alleinstellung am Markt.

    DIAMOND BUSINESS: Woran arbeiten Sie gerade?

    Heinz Boss: Aktuell arbeiten wir am strategischen Aufbau des Vertriebes in unseren wichtigen Märkten, an der Erweiterung der Fertigungskapazitäten und an der Auswahl und Einstellung neuer Mitarbeiter. Ein ständiger Prozess besteht darin, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

    DIAMOND BUSINESS: Welche Ziele verfolgen Sie für die nächsten Jahre?

    Heinz Boss: Wir werden unsere F&E ausbauen, da die Anforderungen des Marktes und unserer Kunden immer umfangreicher werden. Die Akquisition eines Herstellers artverwandter und ergänzender Produkte behalten wir im Auge.


    MELANIE BOSS

    Melanie Boss ist studierte Wirtschaftsingenieurin und Hauptgesellschafterin der Firma Johs. GmbH & Co. KG. Früher wollte sie viel lieber in einer großen Stadt leben, aber als leidenschaftliche Familienunternehmerin führt sie das Traditionsunternehmen in sechster Generation pflichtbewusst auf der schwäbischen Alb fort. Zusammen mit ihrem Mann Sven Blicke, der sich als Maschinenbauingenieur um den technischen Vertrieb und die IT in der Firma kümmert, fährt sie vor Geschäftsbeginn in der freien Natur Mountainbike. Sie bezeichnet sich selbst als diszipliniert und beharrlich, kümmert sich in erster Linie um den Vertrieb, die Personalarbeit, sowie um die Organisation. Sie ist diejenige im Unternehmen, die die Unternehmensziele definiert und auch sonst für effizientere Abläufe bei „JBO“ sorgt.

    HEINZ BOSS

    Heinz Boss studierte vor dem Eintritt in das Unternehmen Maschinenbau und nach einem Jahr Auslandstätigkeit in der Schweiz stieg er 1962 in fünfter Generation in die Firmenleitung ein. Nach über 50 Jahren Betriebszugehörigkeit wird er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung nach wie vor als kompetenter Ansprechpartner in allen Bereichen des Unternehmens von allen Mitarbeitern gleichermaßen geschätzt. Zusammen mit seiner Tochter Melanie Boss und dem Schwiegersohn Sven Blicke leitet er verantwortungsvoll das Traditionsunternehmen. Auch mit seinen 75 Jahren geht er leidenschaftlich in seiner Arbeit auf. Die Freude, dass er selbst gestalten kann und der Erfolg motivieren ihn täglich aufs Neue. Sein Engagement, das Unternehmen weiter zu bringen, ist nicht zu stoppen. Jedoch hegt er seit Jahren privat einen Wunsch: Einmal von Alaska nach Feuerland zu fahren.