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Individuelle Schleiftechnik aus dem  Sauerland für die ganze Welt
  • Firma: Theleico Schleiftechnik GmbH & Co. KG
  • Autor(en): Katja Dümpert
  • Artikel eingestellt am: Sonntag, 05 März 2017
  • Artikel: 060-048-de
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  • Individuelle Schleiftechnik aus dem Sauerland für die ganze Welt

    DIAMOND BUSINESS: Herr Grans, was hat sich bei Theleico verändert, seit Sie Geschäftsführer geworden sind?

    Mein Ziel war und ist es, Theleico bekannter zu machen und die Qualität, als auch den hohen Servicegrad in der anwendungstechnischen Betreuung nach außen zu kommunizieren. Als ich 2005 in das Unternehmen kam, hieß das Unternehmen noch Th. Leisse GmbH & Co. KG, nach dem Firmengründer Theodor Leisse. Wir haben die technische Kompetenz weiter erhöht, die Produktgruppe Superabrasives (CBN/ Diamant) ausgebaut, die Internationalisierung vorangetrieben und die Eigenkapitalquote gesteigert. Heute haben wir deutlich mehr Umsatz, Mitarbeiter und Produktionsfläche. Der Exportanteil wächst besonders stark, auch außerhalb Europas. Dieser Prozess und eine klare Markenführung führten dazu, den international geschützten Markennamen Theleico (steht für Theodor-Leisse-Company) in den Firmennamen zu integrieren. Seitdem treten wir einheitlich mit Theleico Schleiftechnik GmbH & Co. KG auf. Unser Credo: Optimierung individueller Schleifprozesse weltweit.

    Gibt es noch andere Vertriebs- oder Produktionsstandorte?

    Wir setzen ganz klar auf „Made in Germany“- das hebt uns von den Mitanbietern ab.

    Auch wenn man als Produzent denkt, alle Fertigungsparameter konstant halten zu können, hat sich in der Praxis gezeigt, dass Schleifwerkzeuge aus unterschiedlichen Produktionsstätten nicht immer reproduzierbare Prozesse sicherstellen. Dies nehmen Kunden sehr wohl wahr. Wir fahren eine Linie und wollen dies auch im Sinne unserer Kunden aufrecht erhalten. Anders denken wir natürlich über Vertriebsstandorte, die durchaus in anderen Ländern liegen dürfen. So haben wir in rund 30 Ländern Vertriebspartner und aktuell in China eine Vertriebsniederlassung „Theleico Abrasives (Wuxi) Co., Ltd.“ eröffnet, um zusätzlich Lagerkapazitäten zu schaffen, einen verbesserten Service und anwendungstechnische Unterstützung zu bieten.

    Wenn Sie die Entwicklungen auf den nationalen/internationalen Märkten beobachten, was bereitet Ihnen hier den meisten Kummer?

    Natürlich gibt es viele Themen, worüber wir nachdenken müssen. Zum einen gilt es, die vierte industrielle Revolution mit all ihren Aufgaben und Prozessen zu bewerkstelligen, zum anderen halten disruptive Technologien und auch die Energiewende in unser Leben Einzug. In den kommenden Jahren wird sich wirtschaftlich und auch in der Gesellschaft einiges ändern. Umso mehr ist es wichtig, sich mit den Megatrends auseinanderzusetzen und stets im Hinterkopf zu haben, wo Alternativen für uns liegen. Viele Schleifscheibenhersteller haben tatsächlich eine große Abhängigkeit vom Kraftstoffmotor. Viele Komponenten fielen einfach weg, wenn sich das E-Car auf den Straßen langfristig durchsetzen würde. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Elektroauto im Stadtverkehr zügig kommen wird, aber auf der anderen Seite steigt die Nachfrage nach SUV´s und PKW´s mit sehr viel PS rasant an. Das steht noch alles sehr im Widerspruch. Deshalb beobachten wir das sehr stark und gehen verschiedene Szenarien gedanklich durch. Keinesfalls darf man die E-Mobilität „totreden“. Denken wir nur mal an die Schallplatte oder Kassette, die sehr schnell von der CD abgelöst wurde, nicht mal der Speicher-Stick hat sich gehalten – Onlinedienste und Clouds versorgen uns nun mit Informationen rund um die Uhr. Ein weiteres Thema ist natürlich auch der immense Kostendruck und die Schnelligkeit, die die Industrie von uns abverlangt. Prozesse und Arbeitsabläufe müssen noch straffer organisiert werden, um letzte Ressourcen aufzuspüren.

    Welche Strategien verfolgen Sie gegenüber dem Mitbewerber?

    Jetzt könnten wir natürlich über Produktqualität reden, tatsächlich bin ich aber der Meinung, dass sich viele Premiumhersteller auf ähnlichem Level befinden. Ich glaube, dass der Schlüssel im Prozessverständnis, im Service und in der anwendungstechnischen Betreuung zu finden ist. Und genau hier heben wir uns vom Mitbewerber ab. Diese – wie heißt das so schön in der Marketingsprache – „Added Values“ bieten dem Kunden den größten Mehrwert – die nimmt der Kunde bewusst wahr und sie beeinflussen sehr stark seine Kaufentscheidung. Immer wieder bestätigen uns unsere Kunden, gerade auch Großkonzerne, dass der Servicegrad und die technische Kompetenz bei Theleico höher sei und sie wüssten das sehr wohl zu schätzen. Wir haben sehr viel Techniker in Relation zum Umsatz, das ist bei weitem bei vielen Mitanbietern nicht der Fall – das macht den Unterschied! Außerdem kommt uns zugute, dass wir blitzschnell Entscheidungen treffen können. Vor vielen Jahren war ich in einem deutlich größeren, englischen Unternehmen tätig. Es hat Monate gedauert, bis Investitionen getätigt werden konnten und Entschlüsse gefasst wurden. Vor kurzem haben wir uns entschieden, in eine weitere 3’000 Tonnen-Presse zu investieren. In kleiner Runde wurde das bei uns besprochen - natürlich wurde auch alles dokumentiert und ein Lastenheft geschrieben. Aber die Entscheidung ist innerhalb weniger Tage gefallen. Ich sehe Theleico im übertragenen Sinn als Schnellboot zwischen all den Schwerlastkähnen. Bis die großen Schiffe die Richtung geändert haben, sind wir schon um Längen weiter. Das verschafft uns einen großen Wettbewerbsvorteil.

    Wo liegt Ihr Kerngeschäft?

    Grundsätzlich in der Schleiftechnik. Wir bieten unseren Kunden keramisch- und kunstharzgebundene Schleifwerkzeuge, Superabrasives und stehende Abrichtwerkzeuge.

    In welchen Bereichen ist Ihr Unternehmen besonders leistungsstark und innovativ?

    Im Allgemeinen im Prozessverständnis. Wir nehmen die Prozesse beim Kunden auf, entwickeln ein auf die Anwendung spezialisiertes Schleifwerkzeug und begleiten den Kunden beim Einsatz des Werkzeugs. Dadurch können wir oft Kosteneinsparungen und Qualitätsverbesserungen erzielen. Spannend ist für uns derzeit das Thema Turbinenschleifen. Zusammen mit Fachhochschulen haben wir neue Produkte entwickelt, gehen gedanklich mit neuen Ideen aus anderen Branchen an die Sache heran und brechen damit das alte Denken anderer auf.
    Einen Prozess ganz neu zu überdenken - das ist unsere Stärke!

    Welchen Nutzen hat Ihr Kunde, wenn er Ihre Produkte zum Einsatz bringt?

    Wir garantieren ein Produkt, das auf den ersten Blick vielleicht etwas höher im Preis erscheint, am Ende aber über die kompetente Prozessbetreuung, den hohen Servicegrad, die kurzen Lieferzeiten und den Rundumservice beim Kunden Kosten einspart.

    Gibt es sonst noch Neuheiten in Ihrem Unternehmen?

    Wir investieren weiter in unsere Produktionsanlagen. Aktuell haben wir, wie schon erwähnt, beispielsweise eine 3’000 Tonnen Presse geordert. Das ist wieder ein kleiner Meilenstein für Theleico, um das Produktprogramm auszuweiten und mehr Kapazitäten zu schaffen. Ein weiteres Projekt ist die Anschaffung eines neuen ERP Systems. Damit wollen wir Prozessabläufe noch besser und effektiver gestalten und erhoffen uns eine noch bessere Datenverfügbarkeit für unsere Außendienstmitarbeiter. Natürlich ist so eine Umstellung immer ein großes Projekt und ich weiß, dass eine solche Neueinführung immer ein Unternehmen und auch die Mitarbeiter belastet. Auf der anderen Seite freuen wir uns schon darauf, begreifen die Veränderungen als Chance und möchten Theleico damit weiter voran bringen. Bald geht’s los mit den Projektgruppen und jeder Prozess wird durchleuchtet. Wir werden vieles verändern, die Umstellung wird uns herausfordern, aber wir haben das Ziel vor Augen: Die Arbeitsabläufe werden vereinfacht und klarer strukturiert werden. Viele Listen und Tabellen erstellen wir heute noch manuell, das fällt dann alles weg. Dann haben wir wirklich alles aus einem Guss.

    Welche Chancen sehen Sie im Hinblick auf Ihre Produkte in den nächsten Jahren?

    Die umweltfreundliche Produktion ist natürlich auch bei uns ein großes Thema. In der konventionellen keramischen Schleifscheibenproduktion wird Naphtalin als Porenbildner eingesetzt. Wir haben in Deutschland eine Situation, in der der Arbeitsplatzgrenzwert über Nacht um den Faktor 100 gesenkt wurde. Die Hersteller, die Naphtalin verwenden, bemühen sich um die Rückführung auf einen vernünftigen Grenzwert als auch um alternative Porenbildner. Wir haben heute schon eine naphtalinfreie Produktion. Das sehen wir als Chance, bei unseren keramischen Produkten weiter zu wachsen. Der Umwelt- und Arbeitsschutz wird in Bezug auf unsere Produkte und deren Anwendung zukünftig eine immer größere Rolle spielen.

    Wohin soll sich/wird sich Ihr Unternehmen in den nächsten 10 Jahren entwickeln?

    Wir wollen deutlich wachsen und mehr zum „Global player“ werden. Unser Qualitätsversprechen „Made in Germany“ möchten wir trotzdem beibehalten.

    Inwieweit fließen die Kundenwünsche in Ihre Arbeit mit ein?

    Zu 100 Prozent, sonst gäbe es uns nicht mehr. Nur maßgeschneiderte Lösungen und ein hoher Servicegrad geben uns die Möglichkeit, im Hochlohnstandort Deutschland zu überleben.

    Nach Ihrem Abitur absolvierten Sie zunächst eine Ausbildung zum Chemisch- Technischen Assistenten. Nach einer Zwischenstation in der Harzchemie übernahmen Sie eine Stelle als Chemotechniker in einem Entwicklungslabor bei den Carborundum Schleifmittelwerken. Nach der Leitung des Rohstoff- und Entwicklungslabors wurden Sie Betriebsleiter und später Standortleiter eines Schleifmittelwerkes. Heute sind Sie Geschäftsführer von Theleico. Nicht studiert zu haben – sehen Sie darin einen Nachteil?

    Vielleicht hätte mir das Studium etwas mehr Steine aus dem Weg geräumt. Ich musste mich immer beweisen, habe mit Disziplin und Ehrgeiz an Aufgaben gearbeitet und mir Themen Stück für Stück erarbeitet. Dafür habe ich das Produkt bis ins Detail kennen gelernt und mein Verantwortungsbereich wurde immer größer. Ich war immer flexibel und bin innerhalb Deutschlands mehrmals umgezogen. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse konnte ich parallel durch nebenberufliche Weiterbildung dazu gewinnen. Natürlich bin ich nicht gleich in der obersten Etage eingestiegen, aber gerade deshalb habe ich über die verschiedenen Stationen Fachkompetenz in vielen Bereichen aufbauen können und weiß, worum es geht. Vielleicht habe ich deshalb so hohe Ansprüche an mein Team, das ich hier ausdrücklich loben möchte.

    Was schätzen Sie an Theleico?

    Als ich 2005 begonnen habe, saß mir Frau Leisse noch gegenüber. Eine bemerkenswerte Frau, die damals, nach dem Tod ihres Mannes 1969 um den Fortbestand der Firma erfolgreich gekämpft hat. Dieses Jahr feiert Frau Leisse ihren 94. Geburtstag. Theleico ist ein unabhängiges und eigenfinanziertes Tradtitions-Familienunternehmen. Es gibt hier viele Gepflogenheiten, die nicht selbstverständlich sind. So erhält z. B. jeder Mitarbeiter im Herbst ein „Kartoffelgeld“ und jedes Jahr findet auch ein Betriebsausflug mit der ganzen Firma statt. Persönlich schätze ich das Vertrauen, das mir die Gesellschafter entgegenbringen. Das gibt mir die Möglichkeit, Theleico zu entwickeln und langfristig zu planen.

    Vor welche Herausforderungen werden Sie täglich gestellt?

    Veränderungsprozesse - Change Management. Ein sich immer schneller veränderndes Umfeld zwingt uns, alle Prozesse und Arbeitsabläufe immer wieder neu zu überdenken. Gefährlich wird es für Unternehmen, die nicht willens oder fähig sind, Veränderungen verantwortungsbewusst voranzutreiben. Zugegeben, es ist für mich oft nicht einfach, die Leute aus der Komfortzone zu holen.

    Was motiviert Sie, spornt Sie an?

    Die Vielfältigkeit in meiner Tätigkeit und Erfolg.

    Was würden Sie gerne ändern?

    Nicht viel, ich lebe mit den Rahmenbedingungen. Ich wünsche mir, dass uns allen bewusster wird, wie gut es uns geht und dass wir weiterhin dafür arbeiten müssen, dass es auch so bleibt. Es sollte nicht alles zerredet werden. Vielleicht neigen wir hier in Deutschland dazu, uns eher auf Defizite und Dinge zu konzentrieren, die (noch) nicht perfekt sind und vergessen dabei, wie stark wir sind. Leider interessieren sich die Medien kaum für positive Nachrichten.

    Haben Sie ein persönliches Lebensmotto?

    „Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden“ (Sokrates). Wenn ich überlege, was mich ausmacht, so ist das meine permanente Entwicklung. Ich möchte immer in einem Lern- und Entwicklungsprozess bleiben.

    Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit?

    Ich bin sehr gerne mit meinem Hund in der Natur unterwegs. Außerdem mag ich es, mit meiner Frau zu verreisen, um andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Liebend gerne mache ich mit meinen Oldtimern Ausfahrten, sofern ich die Zeit dafür habe.

    Wer ist für Sie ein guter Ratgeber?

    Meine Frau.

    Wofür sind Sie dankbar?

    Ich bin dankbar für dieses gute Leben, für meine Frau und für meine Kinder, die mir immer den Rücken freigehalten hat. Und natürlich auch für meine Arbeit und das Vertrauen, das in mich gesetzt wird.

    Firmen-Information

    THELEICO Schleiftechnik
    GmbH & Co. KG

    Gegründet: 1880,
    von Theodor Leisse

    Geschäftsführer:
    Frank Grans

    Lagerstraße 3-5
    59872 Meschede
    Postfach 1554
    59872 Meschede, Germany

    Tel. +49 (0) 291 / 99 01 - 0
    Fax +49 (0) 291 / 99 01 – 28
    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
    www. theleico.de

    Produktportfolio:

    Keramische Schleifwerkzeuge, Kunstharzgebundene Schleifwerkzeuge, Superabrasive Schleifwerkzeuge, Abrichtwerkzeuge
    Mitarbeiter: über 100
    Exportanteil: 40 %
    Auszeichnungen/Standards:
    3 x Auszeichnung „Bester Lieferant“ (verliehen durch VDFI)
    Fertigungsstandards: EN13236, EN 12413 - Zertifiziert nach ISO 9001-2015 | Mitgliedschaften: Osa, Fepa, VDFI