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  • Firma: Meister Abrasives
  • Autor(en): Katja Dümpert
  • Artikel eingestellt am: Dienstag, 26 Mai 2015
  • Artikel: 53-056-d
  • Seitenaufrufe: 1655
  • „Meisterlich“

    Dr.-Ing. Peter Beyer, Geschäftsführer von Meister Abrasives

    „Unsere Vision – wir revolutionieren die Schleiftechnik“

    Es war der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte als Konrad Meister 1951 sein kleines Handelsunternehmen gründete. Nur 2.000 Schweizer Franken hatte der damals knapp 20jährige zur Verfügung, als er in den fünfziger Jahren anfing, Schleifkörper aus Deutschland zu importieren und in die Schweiz zu verkaufen. Die Anfänge des Firmengründers waren mehr als bescheiden. Sein junges Handelsunternehmen bestand aus seinem überschaubaren Startkapital und einem Velo (Fahrrad). Damit begab er sich auf den Weg zu seinen Kunden, um vor Ort seine Schleifwerkzeuge an den „Mann“ zu bringen. Nur bei großen Entfernungen nahm er sein Fahrrad in die Schweizer Bundesbahn und lieferte lokal seine Produkte aus. Schon bald aber wuchsen die Ansprüche an die schleiftechnischen Erzeugnisse. Deshalb begann Konrad Meister zehn Jahre später in eigener Produktion Schleifwerkzeuge nach Schweizer Manier zu fertigen. Sehr schnell ist das Andelfinger Unternehmen zu einem weltweit führenden Hersteller von keramisch gebundenen Schleifwerkzeugen geworden und hat sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten hier sehr erfolgreich als Technologieführer positionieren können.
    Die globale Präsenz wird unterstrichen durch einen zweiten Produktionsstandort in den USA und eigene Vertriebsniederlassungen in Deutschland, China und Italien - verbunden mit einem umfassenden Netz an Vertriebspartnern in allen wichtigen Industrienationen.

    Geschäftsführer von Meister Abrasives ist seit Anfang 2012 Dr.-Ing. Peter Beyer. Der 46jährige, im Fachbereich Keramik promovierte Werkstoffwissenschaftler aus Hamburg, übernahm diese Funktion im familiengeführten Unternehmen nach mehr als zehnjähriger Betriebszugehörigkeit als Nachfolger von Thomas Meister. Es galt, die verantwortungsvolle Aufgabe wahrzunehmen, das Unternehmen weiterhin auf Erfolgskurs zu halten und sich dabei den ändernden Marktbedingungen kontinuierlich anzupassen.

    Sein Credo: „Auch wenn der Markt und die Technologien sich seit Beginn der Unternehmensgründung grundlegend geändert haben, steht nach wie vor der Kunde und die Lösung seiner individuellen Probleme im Zentrum unseres Denkens und Handelns. Durch den ständigen Dialog mit dem Kunden befinden wir uns in einem permanenten Entwicklungsprozess. Nur so können wir spüren, was der Kunde benötigt und der Markt verlangt. Fordernde Kunden sind damit unser stärkster Innovationsmotor und zufriedene Kunden unsere beste Referenz.“

    DIAMOND BUSINESS: Bevor Sie Geschäftsführer von Meister Abrasives geworden sind, war der Sohn von Konrad Meister, Thomas Meister, an der Spitze des Unternehmens. Hat sich Thomas Meister aus dem operativen Geschäft zurückgezogen?

    Dr.-Ing. Peter Beyer: Aus dem operativen Geschäft hat sich Thomas Meister nahezu vollständig zurückgezogen, um sich als Verwaltungsratspräsident (CH für: Aufsichtsratspräsident) strategischen Fragen zu widmen. Ich würde ihn aufgrund seiner langjährigen operativen Tätigkeit als sehr aktiven Präsidenten bezeichnen, welcher für mich nach wie vor als Sparringspartner zur Verfügung steht. Seine Familie ist alleiniger Eigentümer der Firma.

    War es schon immer ihr Wunsch, ein solches Unternehmen zu leiten?

    Anfangs war ich als Ingenieur sehr der technischen Seite verbunden. Irgendwann stößt man hier jedoch bezüglich der Umsetzbarkeit an die Grenzen, wenn man nicht auch die Strategie entsprechend mitbeeinflussen kann. Und so entstand zunehmend der Anspruch, auch Leitungsfunktionen übernehmen zu wollen…

    Nach Ihrem Studium der Werkstoffwissenschaften Keramik an der TU Berlin arbeiteten Sie zunächst drei Jahre in der Entwicklung, Produktion und dem Produktmanagement. Um Ihr technologisches Wissen auszubauen, kehrten Sie erneut an die Hochschule zur Promotion zurück. 2001 begannen Sie bei Meister Abrasives als Leiter F&E sowie Produktion. Seit 2012 sind Sie nun Geschäftsführer. Gab es denn zu irgendeinem Zeitpunkt andere berufliche Alternativen?

    Architektur, Ingenieurwesen und Fotografie haben mich schon immer interessiert. Als ich mich 1989 entscheiden musste, habe ich sorgfältig abgewogen, was eventuell Hobby bleiben sollte und wie sich sinnvollerweise eine mögliche berufliche Zukunft darstellt. Hier begeisterte mich die ingenieurwissenschaftliche Nische der damals noch jungen Technischen Keramik sehr.

    Der Markt verändert sich laufend und Sie sind als Führungskraft ständig gezwungen, wachsam im Markt zu agieren. Allerdings haben Sie als Schweizer Unternehmen zusätzlich mit negativen Währungsdifferenzen durch die Aufhebung des Euromindestkurses zu kämpfen. Wie reagieren Sie auf die jüngste Entscheidung der schweizerischen Nationalbank?

    Die Herausforderung des Produktions-standortes Schweiz in Bezug auf die Kostenstruktur als Resultat der Wechselkurse ist für uns kein neues Phänomen. Seit 2007 fällt der Kurs des Euro kontinuierlich zum Franken. Bereits 2011 hatten wir kurzzeitig Parität. Deshalb griff auch die schweizerische Nationalbank zum damaligen Zeitpunkt ein. Wir haben seitdem konsequent unsere Hausaufgaben gemacht und frühzeitig schon entsprechende Weichenstellungen getroffen. Wir haben die Kostenstrukturen entsprechend optimiert, sei es durch Automation, effizienteren Einkauf, Optimierung des Produktportfolios und vor allem durch die Entwicklung innovativster Produkte verbunden mit unserem nachhaltigen Kundenservice, sodass wir dieser Entwicklung immer wieder Rechnung tragen konnten und auch mussten. Andererseits gibt es natürlich auch massive Standortvorteile: Hervorragend ausgebildete Mitarbeiter, ein Umfeld mit zahlreichen Technologieführern verschiedenster Bereiche, eine sehr hohe Rechtssicherheit und ein tragfähiges Steuersystem, um nur die Wichtigsten zu nennen.

    Stichwort „innovative Produkte“. Meister Abrasives bezeichnet sich als Technologieführer. Was verstehen Sie darunter?

    Seit wir begonnen haben, Schleifkörper in der eigenen Fertigung herzustellen, bringen wir keine Me-too-Produkte auf den Markt. Wir arbeiten stets mit hohem Aufwand an vollständigen Eigenentwicklungen und deren Optimierung. Aufgrund dieser Philosophie konnten wir immer wieder bahnbrechende Ergebnisse erzielen. Ich möchte nur zwei wesentliche Meilensteine hervorheben. Ende der 70er Jahre war Meister Abrasives die erste Firma im europäischen oder westlichen Raum, die keramisch gebundene CBN Schleifwerkzeuge im Markt etabliert hat. Andere Marktteilnehmer konnten diese Technologie erst viele Jahre später entwickeln und umsetzen. Auch in der Lancierung des einzigartigen Abrichtwerkzeugprogramms in der Hybridbindung sind wir wiederum als Pioniere im Markt aufgetreten. Die optimale Anpassung einer hochporösen und freischneidenden Struktur, bei gleichzeitig hoher Verschleißfestigkeit, in einem Abrichtwerkzeug zu realisieren, war bisher unmöglich gewesen.

    Wie entstehen solche Entwicklungen?

    Die Ideen entstehen immer im eigenen Haus, resultierend aus sehr engen Kontakten mit einigen Schlüsselkunden. Wir arbeiten außerdem sehr eng mit den Schleifmaschinenherstellern zusammen. Hier werden die zukünftigen Serienprozesse entwickelt, welches ein entsprechend hohes Anforderungsprofil definiert. Jedes Problem, das wir bei den Kunden lösen können, erweitert unser Know-how und hilft uns so, unsere Technologieführerschaft auszubauen.

    Wo liegt Ihr Kerngeschäft?

    Es liegt weiterhin im Bereich Automotive und der Lagerindustrie. Die Präzisionsstahlbearbeitung kleinster Bohrungen bis hin zu Kurbelwellen- und Centerless-Anwendungen, kombiniert mit den passenden Abrichtwerkzeugen, umfasst unseren größten Absatzbereich. Außerdem sind wir seit mehreren Jahren auch aktiv in der Welt der Semiconductor-Industrie tätig. Schleifprozesse für die Bearbeitung verschiedenster sprödharter Wafer-Materialien bis hin zum Spiegel-Finish mit Oberflächengüten im Ångströmbereich, haben die Entwicklung völlig neuer Werkzeug- und Fertigungstechnologien erfordert.

    Auf welchem Gebiet sehen Sie die besondere Leistungsstärke Ihrer Produkte?

    Unsere Werkzeuge sind grundsätzlich ausgelegt für Serienanwendungen, bevorzugt für den Dreischichtbetrieb, sieben Tage die Woche. Hier sind wir in der kundenspezifischen Anpassung von Werkzeugen und Prozessen aus unserem Produktportfolio, verbunden mit höchster Reproduzierbarkeit und Konstanz, extrem stark. Dabei setzen wir grundsätzlich auf keramische Bindungen: CBN, Diamant oder Ceralox, wie auch der Hybridbindung in CBN und Diamant, für Schleif- und Abrichtprozesse. Gerne pflegt der ein oder andere Kunde noch die traditionelle Vorstellung: „Meister fertigt die kleinen Schleifkörper…“, aber hier hat sich der Anteil über die letzten zehn Jahre deutlich verschoben. Heute fertigen wir ein Produktportfolio von 1,8 – 1.200 mm Durchmesser in CBN und Diamant.

    Abgesehen von der Währungsthematik, was macht es zusätzlich schwierig im Markt zu agieren?

    Wir machen immer mehr die Erfahrung, dass Einkauf und Technik entkoppelt werden, d.h. der Einkäufer betrachtet nur noch den Stückpreis eines Werkzeugs und sieht in erster Linie nicht die Leistung. Damit wird es zunehmend anspruchsvoller, Hochleistungswerkzeuge über die Technologie zu verkaufen. Wir bieten dem Kunden die günstigsten Stückkosten seines Herstellungsprozesses, jedoch nicht immer das billigste Werkzeug.

    Welche Chancen sehen Sie für die nächsten Jahre?

    Durch den hohen Innovationsgrad im eigenen Haus sehen wir, sowohl im klassischen Gebiet der Automobilzulieferindustrie und seinem breiten schleiftechnischem Anwendungsfeld, als auch im neuen Bereich der Semiconductor-Industrie, ein verstärktes Wachstum. Letztere bietet mit höchsten Anforderungen an die Werkzeuge sowie der mannlosen Serienfertigung in engsten Toleranzen, ein für uns ideales Feld unsere Technologien einzusetzen.

    Welche Herausforderungen wird es geben?

    Der Markt erfordert eine immer größere Flexibilisierung, Individualisierung und Verkürzung der Reaktionszeiten. Das fängt beim Autohersteller an, der immer mehr unterschiedliche Modelle anbietet, und hört beim Werkzeughersteller auf. Lagerbestände werden kontinuierlich reduziert, um Kapitalbindung zu senken. Auf der anderen Seite dürfen die Betreuung und die Qualität nicht leiden. Das ist eine große Herausforderung - nicht nur für uns, sondern eigentlich für alle produzierenden Betriebe. Das Ganze soll sich zudem noch wirtschaftlich gestalten. Für einen mittelständischen Betrieb mit begrenzten Ressourcen ist das nicht ganz trivial. Andererseits profitieren wir von unseren flachen Entscheidungsstrukturen und der damit verbundenen hohen Flexibilität, sodass wir uns hier entsprechend schnell anpassen können.

    Woran arbeiten Sie gerade?

    Wir bauen gerade ein Versuchszentrum für das Innenschleifen auf. Waren wir bisher für seriennahe Versuche oft auf die Kunden angewiesen, so werden wir für das Innenschleifen zukünftig als erster Hersteller Schleifprozesse des Einspritzdüsenschleifens qualitativ auf einer dort etablierten Standardmaschine simulieren können. Damit werden wir in der Lage sein, Entwicklungen im Sinne unserer Kunden deutlich schneller nach Vorne zu treiben. Außerdem sind wir seit zwei Jahren dabei, den Vertrieb weltweit und insbesondere in Deutschland zu verstärken. Wir sehen weiterhin so viele Anwendungen vor der „Haustür“, welche wir mit unseren Werkzeugen besser lösen könnten.

    Was finden Sie besonders reizvoll an Ihrer Tätigkeit?

    Für mich ist es die ganze Bandbreite an Herausforderungen, die mit der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens einhergeht. Vieles, was Sie an Beiträgen in der Tageszeitung verfolgen können, spielt sich analog auch im Mikrokosmos einer exportorientierten Firma ab. Wirtschaftsentwicklung, Kunden- und Lieferantenbeziehung, Währungsprobleme, zwischenmenschliche Herausforderungen und natürlich zusätzlich in unserem Falle die Faszination technischer Innovationen. All diese Dinge mitzugestalten, birgt einen ungemeinen Reiz und das in einem Betrieb unserer Größe, in dem man noch jeden Mitarbeiter persönlich kennt, eine Beziehung pflegt und auch große Verantwortung für über 100 Familien trägt.

    Das klingt nach einer „24-Stunden-Beschäftigung“. Wie grenzen Sie sich ab?

    Zugegeben…es ist nicht immer trivial, allen Bedürfnissen intern und extern gerecht zu werden. So angenehm die moderne Kommunikation auch sein mag, so führt sie doch in einem international agierenden Unternehmen dazu, dass man eigentlich rund um die Uhr „online“ sein müsste. Diese „ständige Erreichbarkeit“ auch mit der Familie unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach und doch so immens wichtig. Glücklicherweise habe ich gelernt, zu Hause abzuschalten und zu entspannen. Außerdem leben wir hier in der Schweiz in einer wunderbaren Gegend. In kürzester Zeit sind wir im Winter in den schönsten Skigebieten oder in den Sommermonaten an herrlichen Seen. In solch einer Umgebung lässt sich gut Energie tanken. Insgesamt ist die Kombination aus den Arbeits- und Lebensbedingungen hier auf sehr hohem Niveau.

    Das heißt, sie haben sich als Hamburger gut in der Schweiz eingelebt?

    Uneingeschränkt sehr gut. Zieht man als Deutscher in die Schweiz, gibt es einige wenige Dinge zu beachten, welche gerne unterschätzt werden. Die kulturellen Unterschiede sind größer als erwartet, trotz ähnlicher Sprache. Außerdem ist man „Ausländer“ und nicht nur „gefühlt“ in einem anderen „Bundesland“. Berücksichtigt man das und verhält sich entsprechend als Gast, habe ich ausschließlich positive Erfahrungen machen dürfen. Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohl und aufgenommen gefühlt. Mittlerweile habe ich auch einen Schweizer Pass…

    Wer ist für Sie ein guter Berater?

    In strategischen Fragen ist es nach wie vor der Inhaber und Verwaltungsratspräsident Thomas Meister, zusammen mit meinem Team in der Geschäftsleitung. Zusätzlich ganz sicher meine Frau, die sich gerade in zwischenmenschlichen Dingen gut in die Thematiken hineindenken kann.

    Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken?

    Ich denke es gelingt mir gut, kreative Lösungen auch unter hohem Druck zu finden – das finde ich spannend. Und auch ein gewisser Hang zur Präzision…

    Haben Sie ein Lebensmotto?

    Wenn man wirklich etwas erreichen möchte, ist das auch möglich. Nur der Weg dahin erfordert Flexibilität und natürlich entsprechenden Einsatz.

    In meiner Freizeit liebe ich es…

    …mit der Kamera durch Zürich zu pirschen.

    Sonntags mache ich am liebsten…

    …ein ausgedehntes Frühstück mit meiner Familie.

    Dankbar bin ich für...

    … meine drei Kinder und meine Frau.

    Firmen-Information

    Meister Abrasives AG

    Gegründet: 1951

    Geschäftsführer:
    Dr.-Ing. Peter Beyer

    Industriestraße 10
    CH-8450 Andelfingen
    Telefon +41 52 304 22 00
    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
    www.meister-abrasives.ch

    Produktportfolio:
    • CBN- und Diamantpräzisions- schleifkörper in keramischer und Hybridbindung
    • hDD+cDD Abrichtwerkzeuge
    • Ceralox-Innenschleifkörper
    Mitarbeiter: 130

    Exportanteil: 85%

    Auszeichnungen/Standards:
    ISO 9001/14001/18001