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  • Firma: Richard Hahn GmbH & Co. KG,
  • Autor(en): Katja Dümpert
  • Artikel eingestellt am: Montag, 08 September 2014
  • Artikel: 049-048-d
  • Seitenaufrufe: 2599
  • Mit Herz und Seele Diamantwerkzeughersteller

    Schöner könnte der Ruhestand nicht sein: kein nervendes Weckergeräusch am frühen Morgen, ein gemütliches, ausgedehntes Frühstück, endlich keine Verantwortung tragen müssen für betriebliche Geschehnisse, vielleicht in ferne Länder reisen und nun ist auch viel Zeit für die Dinge, für die bisher kein Platz gewesen war. Ganz anders ticken aber die Uhren bei Gerhard Hahn, der fast 75jährig, immer noch als Geschäftsführer und Inhaber der Hahn Diamantwerkzeuge die Fäden in der Hand hält. Vom gewünschten Ruhestand kann bei ihm wohl lange nicht gesprochen werden. Mittlerweile gehört er nun zum Urgestein der Diamantwerkzeugbranche, sprüht jetzt noch vor Ideen und denkt noch nicht daran ein Leben als Privatier zu führen.

    „Ich hatte schon immer großen Respekt vor meinem Vater, Richard Hahn, der schon 1923 in wirtschaftlichen unsicheren Zeiten und mit bescheidenen Mitteln die Produktion von Steinen für Präzisionswaagen in der Edelsteinstadt Idar-Oberstein aufgenommen hat“, berichtet Gerhard Hahn rückblickend. Gerne erzählt er auch davon, wie seinem Vater der Durchbruch mit der Erfindung der mechanisch gebundenen Diamant-Trennscheibe gelang. Dies war ein entscheidender Schritt nach vorne in der Fertigung von Diamantwerkzeugen. Heute finden sich „HAHN-Produkte“ in fast allen Wirtschaftsbereichen, von der Bearbeitung kostbarster Edelsteine bis zur Raumfahrtindustrie.

    Nach seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser und Werkzeugmechaniker zog es Gerhard Hahn zunächst für neun Monate in die USA, er lernte dort Land, Leute und auch die Sprache besser kennen und verdiente dort sein Geld, indem er Fassenden verputzte und Malerarbeiten übernahm.

    Noch heute hat er ein Leuchten in den Augen, wenn er von dieser spannenden Zeit in den Staaten spricht. Nach seiner Rückkehr 1961 absolvierte er eine dreijährige Ausbildung zum Maschinenbautechniker und war ab sofort mit seinen gewonnenen Erkenntnissen und erlernten Fähigkeiten im Familienunternehmen Richard Hahn nicht mehr wegzudenken.

    Er erzählt weiter, dass das Unternehmen äußerst leistungsfähige Werkzeuge für das Trennen, Schleifen, Facettieren, Bohren und Gravieren herstellt und dort sei auch das Kerngeschäft von Hahn Diamantwerkzeuge zu finden. Ebenso stellt das Unternehmen auch für das Entgraten, Polieren und Profilieren produktive Werkzeuge in allen Variationen her. Auf die Frage, wie sich das Unternehmen einen Namen in der Branche verschafft habe, gibt er zu verstehen, dass Kunden immer eine blitzschnelle Reaktion auf Anfragen bekämen, und es seien immer ausgearbeitete Angebote mit Skizzen und – falls erwünscht – auch mit möglichen Lösungsideen dabei. Verbunden mit einer schnellen Lieferung und einem unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis könne man die Kunden nicht nur über Jahrzehnte gut bedienen, sondern man sorge auch dafür, dass sie Hahn weiterempfehlen. "Etwas Besseres kann uns nicht passieren", verrät er lächelnd im Gespräch.

    Lange unterstützt ihn nun auch schon sein Sohn Andreas im täglichen Geschäft. Beide haben sich zum Ziel gesetzt, immer mehr Leistung in die Diamant- oder cBN-Werkzeuge zu bringen. Ferner werden die Anforderungen im Präzisionsbereich immer höher und auch die Qualität auf höchstem Niveau muss gesichert sein. Nur, wenn man die Forderungen der Industrie ernst nimmt, wird es gelingen, als zukunftsfähiges Unternehmen am Markt zu agieren und nur dann ist es möglich, die Kunden langfristig vom „Hahn-Produktportfolio“ zu überzeugen, berichtet Gerhard Hahn mit hoch gezogenen Augenbrauen.

    „In speziellen und kniffligen Situationen setze ich mich auch schon mal gedanklich an die vorderste Front des Diamant- oder cBN-Korns, um Lösungsansätze zu entwickeln“, gibt er schmunzelnd zu verstehen. Diese Methode habe sich, so merkwürdig sie auch klingt, schon des Öfteren bewährt. Auch aus Fachzeitschriften oder auf Messen holt er sich gerne Ideen und versucht sie im Sinne des Kunden umzusetzen. „Zu Gute kommt mir auch immer mein breites, fundiertes Basiswissen und meine Neugier, wenn es darum geht, ständig neue Produkte und Einsatzmöglichkeiten auszuspähen“, fügt er im weiteren Gespräch hinzu. Allerdings ärgere er sich immer mehr über eine steigende Zahl an Produkten und Plagiaten aus Fernost, die zu Billigpreisen auf den Markt geworfen würden. Sogar Edelsteinhändler aus der Region hätten keine Skrupel, chinesische Trennscheiben zu Schleuderpreisen auf dem Markt anzubieten. „Das ist wohl auch eine Auswirkung der Globalisierung…“, stellt er fest.

    Falls er sich mal nicht um die Geschäfte von Hahn Diamantwerkzeuge kümmert, so liebt er es, sich als leidenschaftlicher Hobbypilot am nahegelegenen Flugplatz aufzuhalten. Auch wenn er schon länger nicht mehr aktiv fliegt, genießt er das Treiben und die Geschäftigkeit auf dem Flugplatz und pflegt dort regelmäßig seine Freundschaften. Oder er genießt die Ruhe und Erholung im Thermalbad, wenn es das Tagesgeschäft zulässt. „Entspannung finde ich außerdem auch am südwestlich von Idar-Oberstein idyllisch gelegenen Bostalsee“, berichtet er weiter, “aber selbst da bin ich immer ausgerüstet mit Bleistift und Papier, wenn ich mal neue Einfälle habe, die es festzuhalten gilt“. Stolz zeigt er das neue, auf weißem Papier akribisch gezeichnete „Hahn-Firmenlogo“, eines von vielen Projekten, dass er in naher Zukunft umsetzen möchte. Nach wie vor geht er leidenschaftlich gerne seiner Arbeit nach, ist dankbar einen Beruf gewählt zu haben, der ihn täglich auf´s Neue herausfordert, versichert er. Vielleicht ist das auch gerade der Grund, weshalb Gerhard Hahn den Eindruck eines wachen, junggebliebenen Unternehmers hinterlässt, der den Spagat zwischen einem verantwortungsvollen Geschäftsführer und eines Senior-Managers, der sich auch immer wieder einmal Ruhephasen einplant, gut hinbekommt. Zum Abschluss des Gesprächs setzt er sich dann freudestrahlend in seinen Oldtimer Einser GTI, Baujahr 1982, und cruist erst mal gemächlich zum Flugplatz: Mittagspause!