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  • Firma: L.M. Van Moppes & Sons SA
  • Autor(en): Tilo Michal
  • Artikel eingestellt am: Mittwoch, 27 März 2013
  • Seitenaufrufe: 4158
  • Pioniergeist für das 21. Jahrhundert

    Pioniergeist für das 21. Jahrhundert
    Pioniergeist für das 21. Jahrhundert
    Pioniergeist für das 21. Jahrhundert
    Pioniergeist für das 21. Jahrhundert
    Pioniergeist für das 21. Jahrhundert

    Die Firmengeschichte von Van Moppes liest sich teilweise wie ein atemberaubender Agenten-Roman, Assoziationen mit Männern im hochgeschlagenen Trenchcoat, die im strömenden Regen an einem dunklen Hauseck stehend Diamanten handeln sind erlaubt. Sie führen selbstverständlich weit in die Van Moppes-Geschichte zurück. Heute ist Van Moppes ein zertifiziertes Unternehmen (ISO 9001 seit 1991), das höchsten Wert auf die Herkunftskontrolle wie die Rückverfolgbarkeit seiner Produkte legt und sich darüber hinaus als dynamischen Produktentwickler in der Präzisionsbranche sieht.

    Nein, die Trenchcoat-Atmosphäre gehört längst der Vergangenheit an und „ja wir wollen mehr sein als nur Lieferanten, ich würde uns selbst als ein entwicklungslastiges Unternehmen beschreiben, als einen Motor der Branche, der immer aktuellste Synthesen zur Verfügung stellt“. So beschreibt Johannes Müller, seit einem Jahr Deutschland-Chef des Unternehmens, das hoch gesteckte Ziel von Van Moppes. „Wir suchen immer aktuelle Lösungsansätze für die Probleme unserer Kunden.“
    Das wiederum scheint Tradition zu haben, denn der Aufstieg der Firma begann mit Louis Meyer Van Moppes (1858-1943), der 1893 nach England emigrierte, um der dort stark anwachsenden mechanischen Industrie ein zu jener Zeit völlig neues Produkt anzubieten: Industriediamanten. Er hat der ersten Firma L.M. Van Moppes & Sons Ltd., welche 1917 registriert wurde, seinen Namen gegeben. Seine drei Söhne bauten das Geschäft von England weiter aus, der Sprung in die Schweiz war naheliegend durch die dort ansässige Uhrenindustrie und erfolgte schon weit vor dem Zweiten Weltkrieg.

    Zwischenspiel wie im Agentenfilm

    Die Unterbrechung des „klassischen“ Handels durch eine Welt im Chaos und Überlebenskampf sorgten auch bei Van Moppes für abenteuerliche und turbulente Jahre. Während des Zweiten Weltkriegs hat Van Moppes sogar eine staatliche Rolle gespielt, nicht zuletzt durch den präventiven Aufkauf von brasilianischen Diamanten, welche die alliierten Kriegsleistungen unterstützten. Darüber hinaus gibt es die Geschichte von Michel Picot (1892 - 1983), der die Van Moppes Agentur in der Schweiz führte und während des Krieges an der Unterstützung der Alliierten auf seine Weise mitgewirkt hat: Seit seiner Zeit als Leutnant und Pilot im Flying Corps der britischen Armee während des Ersten Weltkriegs, hatte er zum britischen Konsulat in Bern gute Beziehungen. Um den alliierten Industrien während des Krieges „auszuhelfen“, hat er Schmuggel von Diamant-Ziehsteinen zwischen Frankreich und England betrieben – eine denkbar gefährliche Tätigkeit. 1943 ist er auf der Strasse zwischen Genf und Trévoux, auf dem Weg um Diamant- Ziehsteine in Austausch gegen Goldmünzen abzuholen, nur knapp der Verhaftung entkommen. Michel Picot führte das Schweiz-Geschäft noch bis 1963.

    Hinwendung zur Schweiz

    Heute ist die Schweizer Uhrenindustrie ein großes Standbein von Van Moppes. Die Entwicklung der präzis kalibrierten Mikron-Diamantpulver hatte ihren Ursprung in der Fertigung von Uhrensteinen, wo hohe Ansprüche an Präzision und Oberflächengüte gefragt sind. Heute gehören Hersteller von Saphir-Uhrengläser zu den größten Abnehmern von Mikron-Diamantpulver (Typ:SSX/SSO). Auch hier beschritt das mittlerweile Schweizer Unternehmen seinen eigenen Weg mit eigens entwickelten Produkten. „Vom Mikronbereich gehen wir nun aber in den Nanobereich, wo in weltweiter Zusammenarbeit mit Forschungszentren fluoreszierende Nano-Diamanten hergestellt werden, für die Biologie, die Medizin, die Mikroskopie und Quanten-Computer. Diese extrem kleinen Partikel (<0.0001 mm) haben eine extrem grosse spezifische Oberfläche, welche ganz neue Fragen aufwirft, betreffend deren Beschaffenheit. Die Oberfläche muss ganz gezielt funktionalisiert werden, um in Flüssigkeiten dispergiert zu bleiben oder sich mit bestimmten Molekülen zu verbinden. Diese neuen Forschungsresultate lassen wir wiederum in die Schleifanwendungen fließen und machen revolutionäre Versuche mit oberflächenbehandelten Diamant- und cBN-Körnern in verschiedenen Bindungssystemen“, berichtet das Unternehmen stolz.

    Kerngeschäft

    Noch stehen die zahlreichen Mikronkörnungen und Mesh-Siebkörnungen im Mittelpunkt des unternehmerischen Geschehens. Hersteller von
    Diamantpasten und -suspensionen verarbeiten Van Moppes Mikronpulver bis zu einer Korngrösse von 40µ. Diese Produkte werden hauptsächlich in der Metallographie und im Werkzeugbau eingesetzt. Oberflächengüte, Leistung und Wirtschaftlichkeit sind die wichtigsten Anforderungen für diesen Arbeitsschritt.
    Van Moppes-Mikronpulver bis ca. 15µ werden für die Ultraschallbearbeitung von Diamant- und PCD-Ziehsteinen eingesetzt. Das Feinpolieren der Ziehsteine ist ein sensibler Prozess und die Qualität der Van Moppes Submikron-Körnungen wie SYP 0-0.25, 0.25-0.5, 0-0.5, 0.25-0.75 und 0.5-1 hätten weltweit einen guten Ruf errungen, berichten die Genfer und weiter: „Im gesamten Schleifbereich sind Van Moppes Diamant- und cBN-Körnungen weltweit erfolgreich im Einsatz. Neue, sehr temperaturfeste Produkte, werden gerne in Anwendungen wie Spitzenlos- und dem Doppelseiten-Planschleifen eingesetzt.“

    Strategie mit Blick auf Deutschland

    "Van Moppes liefert ausschließlich
    Diamant-und cBN-Pulver zur Weiterverarbeitung an unsere Endkunden. Mit unserem breit gefächerten Produktprogramm haben wir ein klar gestecktes Ziel vor Augen: Wir wollen die Nummer eins in Europa für superabrasive Körnungen werden, mit schnellem Service und sichererer Qualität für den Anwender. „Unser Haus bietet aktuell zwei Resin-Bond Diamantkornprodukte aus neu entwickelten Synthesen an: FRD-G1 - temperaturstabil mit einer super multikristallinen Struktur und FRD-G9 - temperaturstabil mit einem sehr festen und harten Bruchverhalten und trotzdem einer multikristallinen Struktur“, berichtet Deutschland-Vertriebsleiter Johannes Müller.
    Darüber hinaus, so ergänzt er, setze man auf feste Partnerschaften, zum Beispiel mit Henan Famous Industrial Diamond Ltd., Mengzhou, weltweit größter Hersteller von resin bond Diamantpulver, mit dem man zusammen die Marke IDF (s. Kasten) entwickelt habe. Die eigene Mikronpulverproduktion in der Schweiz mit einer Kapazität von 100 Mio cts im Jahr werde man weiter vorantreiben. Die Zusammenarbeit mit Partnern in Korea, Indien, Taiwan, Thailand, der Türkei, den USA wird weiter ausgebaut, um den Kunden immer eine gleichmäßig hohe Qualität dauerhaft bieten zu können. „Gerade in Deutschland sehen wir für unsere Produkte noch viel Potenzial und suchen hier deshalb auch die Zusammenarbeit mit Instituten, Hochschulen und den einschlägigen Verbänden der Schleifmittelindustrie“, schließt Herr Müller seine ehrgeizige Zukunftsbetrachtung ab.
    Der Mut der zupackenden Van Moppes-Gründer und -Pioniere ist zu Beginn des 21. Jarhunderts in einen innovativen und technologischen Mut übergegangen. Diesmal kommen die Pioniere nicht mit Fliegerjacke und Fliegerbrille, sondern mit Reinraum-Overall und Labor-Schutzbrille daher... (Fotos: Van Moppes)

    Stichwort Marke IDF

    Um die europäischen Diamant- und cBN-Schleifscheibenhersteller vor unzuverlässigen Produkten der zahlreichen chinesischen Agenten zu schützen, wurde die neue Marke IDF für „Industrial Diamond from Famous“ gegründet. Die Produktnamen wurden umbenannt auf FRD für “Famous Resin bond Diamant“, FMD für “Famous Metal bond Diamant“ und FBN für “Famous cubic boron nitride“. IDF-Produkte bestehen ausschließlich aus losen Diamant- und cBN-Körnungen und werden nur an Werkzeughersteller verkauft. Exklusivvertriebe in Europa, Japan und Korea kümmern sich um die Kunden vor Ort. Weltweit werden die IDF-Produkte nur mit den silbrigen Originaletiketten angeboten. Die darauf vermerkten Losnummern erlauben die Rückverfolgbarkeit bis zum Rückstellmuster, das mindestens drei Jahre bei Famous verfügbar bleibt. Dabei bleibt die Qualität nach Schweizer Standard dieser sehr guten chinesischen Superabrasive-Produkte garantiert. In weniger als acht Jahren sind in Europa 100 Millionen Karat Diamant- und cBN Produkte der Marke IDF verkauft worden.