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  • Firma: Almü Präzisionswerkzeug GmbH
  • Autor(en): Katja Dümpert
  • Artikel eingestellt am: Montag, 26 September 2016
  • Artikel: 058-048-de
  • Seitenaufrufe: 499
  • Span(n)ende Ideen für präzise Werkzeuge

    Markus Müller, Geschäftsführer der Almü Präzisionswerkzeug GmbH

    ist seit 2007 Markus Müller aus dem schwäbischen Zell unter Aichelberg. Gerade im Wirtschaftsleben scheinen manche Tugenden wie absolute Aufrichtigkeit, Fairness, Respekt, Dankbarkeit, Demut und Wertschätzung leicht angestaubt und eher hinderlich zu sein. Doch das sind genau die Eigenschaften, für die Markus Müller gerne steht. Das macht ihn sympathisch und letztendlich auch erfolgreich.

    Lässt sich Unternehmertum vererben? Laut einer aktuellen Studie der Zeppelin Universität Friedrichshafen wollen die meisten Nachfolger entweder die Familienfirma fortführen oder selbst Gründer werden. Gleiches gilt für den 45-jährigen Dipl.-Maschinenbauingenieur Markus Müller aus dem schwäbischen Zell unter Aichelberg. Mit seiner außergewöhnlichen Schaffensfreude und Begeisterungsfähigkeit für seine Werkzeuge setzt er die Tradition einer erfolgreichen Unternehmerfamilie beherzt fort. Schon sein Urgroßvater führte in den frühen zwanziger Jahren ein stattliches Bauunternehmen und auch sein Vater und dessen Brüder wählten den Weg in die Selbständigkeit. Markus Müller fand es schon als Heranwachsender spannend, wenn am Abendbrottisch über die Firma gesprochen wurde. Manchmal ging es um Personalangelegenheiten, ein anderes Mal um neue Werkzeuge, die auf den Markt gebracht werden sollen, aber meistens ging es um strategische Entscheidungen, die in der Familienrunde diskutiert wurden.

    Der Grundstein von Almü wurde 1978 gelegt, als sein Vater Alfred begann, in seiner Garage mechanische Bauteile zu produzieren. Als Mechanikermeister hatte er vor seiner Selbständigkeit bei einem bekannten Sonderwerkzeughersteller in „Lohn und Brot“ gestanden und war dort für die Konstruktion verantwortlich. Doch schon schnell entwickelte sich eine starke Nachfrage nach seinen Sonderwerkzeugen, er stellte weitere Mitarbeiter ein und aus dem Garagenbetrieb wurde ein solides, schwäbisches Unternehmen der Präzisions- und Sonderwerkzeugindustrie für die zerspanende Fertigung. Mittlerweile produzieren 44 Mitarbeiter in zwei Produktionsstandorten in Zell, am Fuße der schwäbischen Alb, PKD- und Hartmetallwerkzeuge für die Automobil- und deren Zulieferindustrie. Die Produktion läuft ausgezeichnet, die Umsatz- und Absatzzahlen sprechen für sich und damit werden nun auch die räumlichen Kapazitäten knapp - ein weiterer Almü-Neubau ist deshalb für das kommende Jahr geplant. Welche Strategien Herr Müller außerdem verfolgt und ob seine drei Kinder auch das „Unternehmer-Gen“ besitzen, verrät er uns in einem Interview.

    DIAMOND BUSINESS: Herr Müller, nach Ihrem Studium zum Diplom-Maschinenbauingenieur in Stuttgart arbeiteten Sie zunächst für sechs Monate in den vereinigten Staaten und anschließend ein paar Jahre als Konstrukteur eines namhaften Laserherstellers. Was war schließlich der Grund für einen Wechsel in das familieneigene Unternehmen?

    Markus Müller: Es ging für mich in erster Linie darum, eigene Erfahrungen in einem anderen Unternehmen zu sammeln. Die Strukturen von Almü waren mir vertraut. Ich wollte noch etwas Anderes kennen lernen. Eines Tages bekam ich dann einen Anruf meines Vaters, mit der Frage, wie er die Firma weiterentwickeln solle. Einschneidende strategische Entscheidungen standen an und es ging auch um die Frage der Unternehmensnachfolge. Nun, ich konnte schon auf eine gewisse Erfahrung zurückblicken, war kein absoluter Neuling mehr und hatte das nötige Selbstvertrauen an die verantwortungsvolle Aufgabe der Firmennachfolge heranzugehen.

    Im Jahr 2000 wechselte ich zu Almü, war sieben Jahre für den Vertrieb und Export zuständig und habe in dieser Zeit auch die Entwicklung der PKD-Werkzeuge bei Almü vorangetrieben.

    In welchen Bereichen liegt Ihr Kerngeschäft?

    Unser Fokus liegt in der Produktion von Hartmetall- oder PKD-Werkzeugen. Aber nicht ausschließlich dort. Denn, das sogenannte „Almü-all-in-one-Prinzip“ wird immer wichtiger. Kunden fordern mehr und mehr einen ganzheitlichen Ansatz. Es geht nicht mehr nur darum, Werkzeuge zuverlässig, schnell und in höchster Qualität zu liefern, sondern vielmehr geht es um eine maßgeschneiderte Lösung für die gesamte Produktionsaufgabe . Diese erstreckt sich von der Planung, über die Werkzeugherstellung bis hin zur hydraulischen Spannvorrichtung und/oder Software-Komponenten. In diesem Bereich sind wir besonders leistungsstark und überzeugen unsere Kunden nachhaltig von unserem Können.

    Welche Entwicklungen auf den nationalen oder internationalen Märkten bereiten Ihnen Sorgen?

    Der größte Einschnitt wird in den nächsten Jahren die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf den Elektromotor sein. Produktionstechnisch ändert sich dadurch einiges und das hat damit sicherlich auch große Auswirkungen auf die Werkzeugbranche. Wie sich das im Einzelnen gestaltet, wird sich nach und nach zeigen. Insgesamt ist aber unsere Branche sehr gut aufgestellt, auch im Sinne von neuen Materialien wie beispielsweise CFK.

    Und welche Chancen sehen Sie im Hinblick auf die nächsten Jahre?

    Viele Anwender im Automobilbereich haben nicht mehr die Fachkräfte oder sehen es nicht mehr als ihre Kernkompetenz an, sich um Werkzeug- oder Produktionsplanung zu kümmern und übertragen zunehmend diese Aufgaben an uns Werkzeughersteller. Dieser Trend zeichnet sich in der Industrie mehr und mehr ab und stellt neue Anforderungen an uns. Wir übernehmen dadurch verstärkt planerische Vorarbeiten, arbeiten Zeitstudien aus, kümmern uns um die Programmierung oder Spannkonzepte etc. Wir als Nischenanbieter können hier punkten. Als kleiner, mittelständischer Betrieb nehmen wir alle Herausforderungen an, die andere scheuen. Unser Ziel ist es einen hohen Grad an Kundennutzen anzubieten und damit höchste Kundenzufriedenheit zu erreichen.

    In welchen Bereichen ist Almü besonders leistungsstark und innovativ?

    Zum Beispiel haben wir im Bereich der PKD-Schneidgeometrien viele Ideen und setzen diese erfolgreich um. Und wie schon erwähnt ist das „Almü-all-in-one-Konzept“ ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Mitbewerbern, den die Kunden sehr zu schätzen wissen.

    Dieser Ansatz ist in der Branche neu, zumindest kenne ich keinen Anbieter und/oder Hersteller auf dem deutschen Markt, der das in dieser Form anbietet.

    Was meinen Sie, wird der Markt in den kommenden Jahren fordern?

    Unsere Kunden werden zukünftig verstärkt nach individuellen Werkzeugkonzepten fragen, die idealerweise viele Produktionsvorteile mit sich bringen. Sicherlich verlangt der Markt auch ein Plus im Service, beispielsweise in der Aufbereitung, Nachschärfung und Neubestückung. Außerdem merken wir einen wachsenden Trend, der kürzere Durchlaufzyklen für die ganze Projektabwicklung vorsieht - von aktuell 12 Wochen bis hin zu 6-8 Wochen. Hinzu kommt auch, dass der technische Informationsfluss – Stichwort: Industrie 4.0 - immer schneller vorangeht, standardisierter und strukturierter wird. Wir leben erst am Beginn einer vernetzten Produktionswelt mit unendlichen Möglichkeiten. Wie wir dann letztendlich den wirtschaftlichen Nutzen aus dieser transparenten Produktionskette ziehen können, wird eine der Aufgaben in den nächsten Jahren sein.

    Inwieweit fließen die Kundenwünsche in Ihre Arbeit ein?

    Wir fertigen Werkzeuge individuell nach Kundenwunsch. Wir bieten keine Katalogware wie manch andere Werkzeughersteller an, sondern liefern maßgeschneiderte Sonderlösungen, die mit den Vorstellungen der Kunden in Punkto Qualität, Preis und Leistung übereinstimmen.

    Wie sieht Ihr persönlicher Arbeitstag aus?

    Während meiner zehn- bis zwölfstündigen Arbeitszeit fokussiere ich mich fast ausschließlich auf meine Kunden. Ich sehe nach, welche Anfragen kommen, welche Projekte laufen und was ich mit meinem Team machen kann, um unsere Kunden nachhaltig von Almü zu begeistern. Manchmal kümmere ich mich auch um Zerspanungversuche, um Angebote, um Projektkalkulationen oder Zeitstudien. Meine Stärken sehe ich darin, Prioritäten zu erkennen, Aufgaben zu koordinieren, zu organisieren oder zu delegieren.

    Was macht den Reiz an Ihrer Tätigkeit aus?

    Es macht Freude zu sehen, dass wir, obwohl wir nicht zu den größten Werkzeugherstellern in Deutschland gehören, sehr wohl in der Branche ernst genommen werden und es gelingt, das Rennen um Aufträge zu gewinnen. Wir haben uns sehr gut positioniert und gerade das „Almü-all-in-one“-Prinzip macht es uns möglich, höchste Kundenzufriedenheit zu generieren. Außerdem gefällt es mir, selbstbestimmt als Geschäftsführer agieren zu können. Ideen und Projekte lassen sich dank meines guten Teams sehr gut und effizient umsetzen.

    Woran arbeiten Sie gerade?

    Im Moment bringe ich ein Entwicklungsprogramm im Bereich der Feinbearbeitung von PKD-Werkzeugen voran. In Kürze werden wir ein neues Produkt auf den Markt bringen. Ja…natürlich arbeite ich auch den Plänen des Almü-Neubaus im kommenden Jahr.

    Wer ist für Sie ein guter Ratgeber?

    Sehr gerne vertraue ich immer wieder auf die wertvollen Erfahrungen meines Vaters. Er ist der beste Unternehmensberater, den ich mir wünschen könnte und ich schätze seine Betrachtungsweise. Ich freue mich immer, wenn er im Haus ist und ein offenes Ohr für aktuelle Fragestellungen hat.

    Was wollten Sie schon immer tun und haben es aus irgendwelchen Gründen noch nicht getan?

    Nun, als ambitionierter Hobbypilot würde ich gerne einmal über den Atlantik in die USA fliegen. Das ist ein Projekt, das ich vielleicht in ein paar Jahren verfolgen werde.

    Am besten kann ich mich erholen, wenn…
    … mein Handy offline ist.

    Dankbar bin ich…
    … zum einen für meine Ausbildung die ich genossen habe und für meine Familie, insbesondere meine Frau, die mich tatkräftig in allem unterstützt und mir den Rücken frei hält.

    Wie steht es nun mit dem „Unternehmer-Gen“. Haben Sie es Ihren Kindern vererbt?

    Meine drei Kinder sind erst zwischen 10 und 16 Jahre alt. Meine Frau und ich möchten ihnen die Freiheit einräumen, sich selbst zu entdecken und die eigenen Gaben und Fähigkeiten zu entwickeln. Ich denke, dass eine Beeinflussung und Lenkung in Richtung Selbstständigkeit nicht zielführend ist. Die entsprechende Motivation zur Selbstständigkeit muss von selbst kommen.

    Firmen-Information

    Almü Präzisionswerkzeug GmbH

    Gegründet: 1978 von Alfred Müller

    Ohmderstrasse 12
    73119 Zell unter Aichelberg
    Tel. +49 (0)7164/9416-0
    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! |www.almue.de

    Produktportfolio:
    VHM-, PKD- und Wendeplattenwerkzeuge, hydraulische Spannvorrichtungen

    Mitarbeiter: 44
    Jahresumsatz: 6,5 Mio. EUR
    Exportanteil: 25%
    Auszeichnungen/Standards: ISO 9001:2008
    Ausbildungsbetrieb: Schneidwerkzeugmechaniker und Technische Produktdesigner