Thema: Hat sich das Siegel überlebt? Ist „Made in Germany“ nach wie vor das Gütesiegel par excellence? Oder gibt es momentan andere wichtige Aspekte, die über das Gütesiegel hinausgehen?

Nachgefragt! mit Krebs & Riedel, Tigra GmbH, Laser Pluss

Die Kunden der deutschen Werkzeughersteller schätzen die Auszeichnung „Made in Germany" und weltweit steht dieses Label nach wie vor für deutsche Ingenieurskunst, beste Fertigungsqualität und höchste Ansprüche (Saarbrücker Zeitung vom 27.8.2013). In Zeiten der Globalisierung steckt in manchen Produkten aus bundesrepublikanischer Schmiede beispielsweise mehr „China und Indien“ drin, mehr Globalisierung als „Deutschland“. Selbst die ehemals größten Diamant- und cBN- Rohstoffhersteller lassen z.B. PKD in China polieren oder kaufen dort Synthesen ein, weil sie dem Preisdruck der chinesischen Anbieter von fertigen Werkzeugen Paroli bieten müssen.

  • Wie beurteilt es der Werkzeuganwender, wenn viele Produkte von vermeintlich „deutschen“ (Werkzeug-) Herstellern nur noch durchgehandelt werden?
  • Hat sich das Siegel überlebt? Ist „Made in Germany“ nach wie vor das Gütesiegel par excellence?
  • Oder gibt es momentan andere wichtige Aspekte, die über das Gütesiegel hinausgehen?

Herr Jost Riedel | Krebs & Riedel

1887 wurde die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ in Großbritannien als Schutz vor minderwertiger Importware eingeführt. Schon bald aber konnten sich deutsche Produkte als mindestens ebenbürtig beweisen. Und so ist „Made in Germany“ heute keine reine Herkunftsbezeichnung mehr, sondern steht für zuverlässige Produkte höchster Qualität – für deutsche Perfektion. Als führender Hersteller von Schleifwerkzeugen steht unser Unternehmen für den Anspruch „Made in Germany“. Wir bieten dem Anwender moderne und hochwertige Schleifwerkzeuge, die individuell auf den gewünschten Prozess abgestimmt werden. Wir verstehen uns nicht nur als Hersteller, sondern auch als Dienstleister für unsere Kunden. Gemeinsam ermitteln wir deren Bedürfnisse und erarbeiten gezielt Lösungsvorschläge. Zuverlässigkeit, ein guter Kundendienst sowie höchste Qualität sind die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Marktbearbeitung. Es ist nicht wichtig, dass jeder einzelne Bestandteil eines Schleifwerkzeuges in Deutschland gefertigt wird. Viel mehr zählt das Know-how am Standort, die Zusammensetzung jedes einzelnen Werkstücks sowie die Qualität und die Sicherheit des Endproduktes. Insofern ist das Qualitätssiegel „Made in Germany“ nach wie vor präsent, wird auch gepflegt und geschätzt.

Herr Bernd Motzer | Tigra GmbH

In einer Branche, die auf Effizienz getrimmt ist, werden höchste Ansprüche an die verwendeten Produktionsmittel gestellt. Maschinenstillstandzeiten und Produktionsausfälle übersteigen die Kosten von Werkzeugen um ein Vielfaches. Kein Anwender kann es sich leisten, Werk- und Schneidstoffe von minderer Qualität einzusetzen. Und trotzdem: der globale Wettbewerbsdruck zwingt dazu, Prozesse teilweise ins Ausland zu verlegen. Bisher waren es vor allem die - im Gegensatz zu China - hohen Lohnkosten, welche die Produktion in Deutschland unattraktiver gemacht haben. Viele deutsche Hersteller haben ihre Prozesse so weit automatisiert, dass sie der Konkurrenz standhalten konnten. Nun kommen aber ganz neue Herausforderungen auf die Industrie zu, die den Markt im Wettbewerb schwächen: enorm gestiegene Kosten durch die "Energiewende", die destruktive Chemikalienverordnung "REACH", mit Fördergeldern subventionierte Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland und immer mehr bürokratische Hürden. Firmen werden damit zunehmend gezwungen auszulagern. Bei Tigra werden über 90% der Produkte in Deutschland hergestellt, worauf wir sehr stolz sind. Wir stehen zu unserem Standort, zu unseren Mitarbeitern und sehen "Made in Germany" nicht nur als Qualitätssiegel, sondern auch als Verpflichtung. Gerade deshalb hoffen wir auf eine baldige Einsicht der Politik, dass nur eine gesunde Wirtschaft für Wohlstand im Lande sorgen kann.

Herr Werner Schulz | Laser Pluss

"Made in Germany" hat in den vergangen Jahren an Stellenwert gewonnen. Es geht dabei weniger um Konsumgüter als um funktionelle Produkte, bei denen der Nutzen für den Kunden im Vordergrund steht. Die deutsche Industrielandschaft ist geprägt von Innovation, Präzision, Funktion und Langlebigkeit. Diese Philosophie zieht sich vom einzelnen Mitarbeiter durch fast jedes Unternehmen. Laserpluss ist mit den Anlagen zur Bearbeitung von Diamantwerkzeugen Technologieführer und hat mit der steten Innovation eine Technologie etabliert, mit der sich nun andere Hersteller beschäftigen. Ein Markt wurde geschaffen. Die Anlagen werden weltweit vertrieben. Die Bearbeitungsergebnisse sind denen herkömmlicher Systeme überlegen und bieten den Anwendern wesentliche Vorteile. Diese Technologie wäre nicht in dem Mass ohne Mitarbeiter mit Ausdauer und Innovation entstanden, die man nur am Industriestandort Deutschland findet. Die Mitarbeiter sind stolz auf ihr Geschaffenes. Diese Technologie verhilft den Kunden deutschland- und weltweit ihren Markvorsprung zu sichern. Deshalb "Made in Germany"!