• Firma: Vollstädt Diamant GmbH
  • Autor(en): Katja Dümpert
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  • Artikel eingestellt am: Samstag, 21 September 2013
  • Prof. Dr. Vollstädt, Vollstädt Diamant GmbH, Deutschland

    Die Vollstädt Diamant GmbH in Seddiner See feiert in diesem Jahr Ihr 20-Jähriges Firmenjubiläum. Aus diesem Anlass fand ein Interview zwischen Prof. Dr. Habil Heiner Vollstädt und DIAMOND BUSINESS statt.

    DIAMOND BUSINESS: Herr Prof. Dr. Vollstädt. Für Sie und Ihre Mitarbeiter gibt es in diesem Jahr Grund zur Freude. Ihr Unternehmen besteht nun seit 20 Jahren. Herzlichen Glückwunsch!

    Prof. Dr. Vollstädt: Vielen Dank!

    DIAMOND BUSINESS: Sie führen die Vollstädt-Diamant-GmbH erfolgreich seit 1993 und Sie sind neben der Herstellung von Mess- und Prüf-, Sortiergeräten, Diamant- und cBNWerkzeugen auch Dienstleister. Ihre Dienstleistung besteht im Messen, Sortieren und Klassifizieren. Außerdem sind Sie, wenn ich das so sagen darf, ein richtiger „Daniel Düsentrieb“ der Diamantindustrie, ein einfallsreicher Entwickler und Forscher. Sie arbeiten schon viele Jahre auf dem Gebiet der Diamantsynthese, besitzen großes Know-how zu Diamantanwendungen und zum Diamanten an sich, haben allumfassendes Wissen zu cBN erworben und schon mehrere Patente erfolgreich vermarktet. Waren Sie denn schon immer in der Diamantindustrie tätig?

    Prof. Dr. Vollstädt: Mein Weg zum Diamant vollzog sich rückblickend eigentlich recht logisch: Als „gelernter“ Sachse aus dem Erzgebirge wurde ich früh an das Sammeln von Mineralien geführt. Nach dem Mineralogie-Studium an der Humboldt-Universität in Berlin hatte ich an der Akademie der Wissenschaften in Potsdam die Aufgabe, die Hochdruck/Hochtemperatur- Technik zur Simulation der Vorgänge im Erdinneren aufzubauen. „Wer hohe Drücke und Temperaturen beherrscht, muss auch Diamanten herstellen können…“, so dachte ich. Das wurde dann in den Siebziger Jahren im Labormaßstab im Institut für Physik der Erde, Potsdam, auch realisiert. Im Jahre 1989 sollte eine erfolgreiche Pilotproduktion von Industriediamanten, die ich wissenschaftlich geleitet hatte, in die Großproduktion überführt werden. Wie so Vieles, fiel auch dieses Projekt der Wende zum Opfer. Damit waren auch weitere Forschungen zu den superharten Materialien nicht mehr gefragt. Ich blieb jedoch dem Diamanten treu und wurde somit zum „Jungunternehmer“ mit dem großen Glück, schrittweise eine Gruppe von Wissenschaftlern und Ingenieuren um mich scharen zu können, die die Neigung zum Diamant aus unterschiedlicher Betrachtungsweise mit mir teilt. So unterstützen mich Physiker, Chemiker, Maschinenbauer, Elektroniker und Feinwerk-Ingenieure tatkräftig und erfolgreich in den von Ihnen genannten Aufgabenbereichen:

    • Entwicklung und Herstellung von Geräten zur Qualitätsprüfung und Sortierung von Industriediamanten und cBN
    • Entsprechende Dienstleistungen zur Qualitätsprüfung und Sortierung so wie zur Werkstoffanalyse
    • Vertrieb von Industriediamanten und cBN sowie ausgewählten Werkzeugen aus diesen superharten Werkstoffen

    DIAMOND BUSINESS: Wo liegt denn der Reiz an der Arbeit mit diesem Kohlenstoff?

    Prof. Dr. Vollstädt: Für mich als Mineraloge ist der Diamant in erster Linie ein Mineral. Reizvoll waren die Begegnungen mit diesem außergewöhnlichen Mineral in der Diamantmine von Pretoria oder beim Rundgang um die Diamantmine „Mir“ in Jakutien. Ein ganz besonderer Reiz für mich liegt jedoch in der Vielfalt der Eigenschaften des Diamanten, als auch in der Möglichkeit und Notwendigkeit ihn gezielt industriell herzustellen. Auch wenn das für die Körnungen aus Diamant und cBN schon lang zur Domäne Chinas geworden ist, bleibt für die Züchtung hochreiner Diamant - Monokristalle für die industrielle und Schmuckanwendung noch genügend Platz. Dort habe ich mich am Rande meiner eigentlichen Verantwortung für die Vollstädt-Diamant GmbH ein wenig eingenistet und erfreue mich an den Ergebnissen.

    DIAMOND BUSINESS: Mit welchen Universitäten und Technischen Universitäten pflegen Sie besonderen Kontakt?

    Prof. Dr. Vollstädt: Es gibt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Einrichtungen, mit denen wir im gegenseitigen Nutzen zusammenarbeiten. Es sind neben den Fraunhofer- Einrichtungen IKTS, die Technische Universität Freiberg, die Technischen Hochschulen Wildau und Aachen und das Forschungsinstitut für Aufbereitung Freiberg.

    DIAMOND BUSINESS: Ihr Unternehmen hat mittlerweile acht Mitarbeiter. In welchen Bereichen ist denn Ihre Firma besonders leistungsstark und innovativ?

    Prof. Dr. Vollstädt: Das ist mit Sicherheit der Bereich unserer Gerätefertigung. Wir haben seit Gründung unserer Firma zehn unterschiedliche Qualitätsprüfmaschinen und fünf verschiedene Sortiermaschinen entwickelt, gefertigt und konnten weit über 200 Exemplare verkaufen.

    DIAMOND BUSINESS: Welchen besonderen Service können Sie mir als Werkzeuganwender bieten?

    Prof. Dr. Vollstädt: Die Mitarbeiter unserer Firma sind in den meisten Fällen über 20 Jahre mit dem Diamant vertraut. Die Werkzeuganwender, die unseren Service nutzen, erhalten eine komplette Information über die Qualität und die Einsatzparameter der Werkstoffe (Diamant, cBN, PKD, PCBN). Wir unterstützen unsere Kunden auch bei den Gesamtanalysen von Werkzeugen, die über die eigentliche Werkstoffanalyse hinausgehen.

    DIAMOND BUSINESS: Was motiviert Sie, Herr Prof. Dr. Vollstädt, Ihre Forschungen immer weiter voran zu treiben?

    Prof. Dr. Vollstädt: So faszinierend der Diamant selbst ist, so interessant ist auch der Umgang mit ihm. Es gibt nach wie vor Fragen, die es zu lösen gilt. Beispielsweise ist die Synthese eines dem natürlichen Diamanten identischen Pendants, d.h. ohne metallische Einschlüsse, immer noch nicht gelungen. Bei der Herstellung und der breiten Anwendung großer und sauberer Diamanten ist noch viel zu tun. Dazu möchte ich noch ein wenig beisteuern. Schließlich stecken in den Köpfen meines Teams noch viele Ideen für zukünftige Entwicklungen, um die Geheimnisse des Diamanten weiter zu ergründen.

    DIAMOND BUSINESS: Welches Lebensmotto steht kennzeichnend für Ihr Tun?

    Prof. Dr. Vollstädt: Ich halte mich an meinen Konfirmationsspruch: „Lasset Euch niemals das Ziel verrücken“. Auf diesem Wege versuche ich, eine gesunde Mischung zwischen meinem Engagement am Beruf und einer aktiven Erholung vor dem Hintergrund eines gut funktionierenden Familienlebens einzuhalten.

    DIAMOND BUSINESS: Was lieben Sie an Ihrem Beruf besonders?

    Prof. Dr. Vollstädt: Meine berufliche Beschäftigung ist ungemein vielseitig, sie lebt auch von interessanten Begegnungen und hat viele Brücken zu meinen Hobbies.

    DIAMOND BUSINESS: Besonders schwierig ist es für mich?…

    Prof. Dr. Vollstädt: ...Wünsche abzuschlagen.

    DIAMOND BUSINESS: Ich freue mich? …

    Prof. Dr. Vollstädt: ... sehr auch über Erfolge anderer und besonders über meine Enkel.

    DIAMOND BUSINESS: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im Jahr 2023? Welche Ziele verfolgen Sie in naher Zukunft?

    Prof. Dr. Vollstädt: Wir möchten in den nächsten Monaten unseren Servicebereich modernisieren und sind auch gerade dabei die Entwicklung von zwei neuen Geräten voranzutreiben. Außerdem sehe ich das Unternehmen in den nächsten zehn Jahren in den guten Händen meines Nachfolgers, den ich natürlich in allen Richtungen unterstützen werde, damit die Firma sich auch zukünftig erfolgreich am Markt behaupten kann.

    DIAMOND BUSINESS: Herr Vollstädt, ich bedanke mich für das offene Gespräch mit Ihnen und für die Einblicke in Ihr Unternehmen.