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„Pink Tender“: Aus der Argyle-Mine kommen die teuersten Diamanten der Welt
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„Pink Tender“: Aus der Argyle-Mine kommen die teuersten Diamanten der Welt

Vor fast dreißig Jahren richteten sich die Augen der weltweiten Diamantindustrie zum ersten Mal auf ein neues Vorkommen in Australien. Bis dahin hatte der Kontinent, abgesehen von unbedeutenden alluvialen Funden in Neusüdwales und Victoria, keine Rolle als Diamantlieferant gespielt. ...

von Elisabeth Strack und Tilo Michal

Vor fast dreißig Jahren richteten sich die Augen der weltweiten Diamantindustrie zum ersten Mal auf ein neues Vorkommen in Australien. Bis dahin hatte der Kontinent, abgesehen von unbedeutenden alluvialen Funden in Neusüdwales und Victoria, keine Rolle als Diamantlieferant gespielt. Dies änderte sich schlagartig im Laufe der Achtziger Jahre und heute sind farbige Diamanten aus dem Nordwesten Australiens zu einer festen Größe auf dem Diamantmarkt geworden – die rosaroten Exemplare aus „down under“ gehören zu den teuersten der Welt.

von Elisabeth Strack

 

Das australische Vorkommen liegt im östlichen Teil der Kimberley- Provinz im Nordwesten des Landes. An der Küste der Provinz Kimberley, in der Kuri Bay, begann 1956 die Zucht von Perlen, die in der Zwischenzeit als Australzuchtperlen einen hohen Stellenwert einnehmen. Die perlbildende Muschel Pinctada maxima kommt entlang der West- und Nordküste Australiens vor, sie lieferte während der großen Zeit der Perlmuttindustrie im 19. und frühen 20. Jahrhundert die riesigen Muschelschalen. Zentren der Fangflotten waren die Städte Broome und Darwin, zwischen denen die Kimberley- Region liegt. Der Grund für die Namensgebung ist nicht genau überliefert. Vermutlich wurde die Provinz nach dem britischen Kolonialsekretär Earl of Kimberley benannt, nach dem auch die Stadt Kimberley in Südafrika ihren Namen erhalten hat. Sie ist in den 1870er Jahren als Zentrum des Diamantenabbaus entstanden, die Bezeichnung Kimberlit für auf den Pipes auftretendes, diamanthaltiges Gestein ist von ihr abgeleitet. Die Stadt Kimberley stand auch Pate für die Benennung einer weltweiten Vereinbarung im Kampf gegen Konfliktdiamanten, dem Kimberley Process, umgangssprachlich meistens als KP bezeichnet. Überraschende Funde Als die australische Provinz im ausgehenden 19. Jahrhundert den Namen Kimberley erhielt, gab es noch keinerlei Anzeichen dafür, dass man hundert Jahre später diamanthaltiges Gestein entdecken könnte. Auch kam wohl niemand auf den Gedanken, in der unwirtlichen und abgelegenen Gegend nach Diamanten zu suchen. Die Kimberley-Provinz ist immer nur dünn besiedelt gewesen, sie gehörte zum Territorium der australischen Urbevölkerung (Aborigines), das für Europäer wenig attraktiv war. Die Erschließung des Nordwestgebietes begann in den letzten zwanzig Jahren des 19. Jahrhunderts, nachdem Gold entdeckt worden war. Der Bau von Eisenbahnlinien und Telegrafenleitungen stellte die erste Infrastruktur dar, von der auch die Perlmuttindustrie und später die Zuchtperlenindustrie profitierten. Der „Gold Rush“ zog viele Einwanderer und Desperados an, die die Gegend später wieder verließen. Die allerersten australischen Diamanten waren 1895 von Goldsuchern südlich der heutigen Kimberley-Provinz auf einer alluvialen Lagerstätte entdeckt worden. Im Oktober 1979 wurden zum ersten Mal bei Smoke Creek im Gebiet von East Kimberley Diamanten gefunden, die Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg versprachen. Die beeindruckende und geradezu aufregende Geschichte der australischen Diamantenindustrie begann aber schon früher, als 1972 das Unternehmen Ashton Mining Limited mit einer Reihe anderer Firmen eine Gesellschaft mit dem Namen Kalumburu Joint Venture gründete. Ziel der Gesellschaft war es, im Gebiet des australischen Schildes (Kimberley-Plateau) gezielt nach Diamanten zu prospektieren und den möglichen Abbau vorzubereiten. Das Wort Kalumburu stammt aus der Sprache der Aborigines und ist der Name einer in der Nähe gelegenen Siedlung. 1976 kam der international bekannte Bergbaukonzern Rio Tinto Limited als Partner hinzu, der heute der alleinige Besitzer ist. Rio Tinto ist auch an der Diavik-Mine in Kanada beteiligt. Eine als AK 1 bezeichnete Pipe (die Bezeichnung stand ursprünglich für Argyle Kimberlite), eine alte Kraterröhre, brachte schließlich den Durchbruch, denn genau in ihrer Mitte befindet sich die eigentliche Diamant-Mine, die den Namen Argyle erhielt und die heute als offene Lagerstätte im Tagebau abgebaut wird. Sie liegt östlich des Kimberley- Plateaus und ist nach dem Argyle-See benannt, der am Fitzroy-Fluss südlich der Stadt Kununurra liegt, im Grenzgebiet zum Bundesstaat Northern Territories. Das besondere an der Lagerstätte ist, dass nicht Kimberlit, sondern Lamproit als Trägergestein der Diamanten auftritt, sie ist daher als Lamproit-Pipe zu bezeichnen. Lamproite sind genetisch mit Kimberlit verwandt, aber kommen aus einer geringeren Manteltiefe. Die Reichhaltigkeit des Vorkommens mit einer Fläche von fast 300 Hektar, dies war bereits 1980 klar, übertraf jede andere Lagerstätte weltweit. Von der Argyle-Mine aus dehnen sich alluviale Lagerstätten über eine Entfernung von 30 km hinweg bis zum Argyle-See in Richtung Norden aus.



 

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