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  • Artikel eingestellt am: Dienstag, 13 Mai 2014
  • Autor(en): Elisabeth Strack
  • Zentralafrikanische Republik: Diamanten, die vom Verdacht der „Blutdiamanten“ nicht so leicht reingewaschen werden können

    Zentralafrikanische Republik: Diamanten, die vom Verdacht der „Blutdiamanten“ nicht so leicht reingewaschen werden können

    In der infrastrukturarmen Zentralafrikanischen Republik stehen die Diamantvorkommen an erster Stelle der ausgebeuteten Bodenschätze. Das Land verfügt allerdings auch über Vorkommen an Gold, Uran, Kupfer und Zink. Da dieser Staat kaum über produzierendes Gewerbe, Tourismus oder einen nennenswerten Dienstleistungssektor verfügt, sind Exploration sowie Verkauf von Diamanten sowie der Export von Tropenhölzern die größten und wichtigsten Einnahmequellen.

    Die Entdeckung der Diamantlagerstätten erfolgte 1914 im damaligen Französisch-Äquatorialafrika. Es handelt sich um alluviale Lagerstätten, die sich auf zwei etwa 450 km voneinander entfernt gelegene Gebiete verteilen, die im weitesten Sinn dem Ubangi-Fluss zugeordnet werden können. Der Einfachheit halber hat man sie daher zu Beginn in Ost-Ubangi und West-Ubangi unterteilt. Der offizielle Name der Zentralafrikanischen Republik ist République Centrafricaine. Das Land liegt, wie der Name es schon andeutet, im Zentrum oder sehr nahe am Zent rum des afrikanischen Kontinents. Im Süden grenzt es an die in der letzten Folge beschriebene Demokratische Republik Kongo (früher Zaire bzw. Belgisch-Kongo) und für eine kurze Strecke an die sich anschließende Republik Kongo (früher Kongo-Brazzaville oder Französisch-Kongo), im Westen an Kamerun, im Norden an den Tschad und im Osten an den Sudan. Das südliche tropische Tiefland ist Teil des Kongobeckens, es wird von einem bis zu 1000 Meter hohen Hügelland, der Nordäquatorialschwelle, begrenzt, die in Ost-West-Richtung verläuft. Der größte Fluss ist der 1300 km lange Ubangi, der im Grenzgebiet zum Sudan entspringt und in den Kongo fließt, er stellt die wichtige Verbindung zu den Häfen der benachbarten Republik Kongo am Atlantischen Ozean dar.

    Kein Reiseland

    Die Zentralafrikanische Republik ist nicht unbedingt ein Land, in das man reisen möchte. Dies hat nicht nur mit der unstabilen politischen Situation zu tun, die seit der Unabhängigkeit von Frankreich im August 1960 beharrlich anhält. Machthaber von Frankreichs Gnaden lösten einander ab. Der ehemalige Kolonialherr war dabei nicht zimperlich und tolerierte, dass die Günstlinge sich durch persönliche Bereicherung und Gräueltaten hervortaten. Insbesondere ist Jean-Bédel Bokassa zu erwähnen, der sich zum Kaiser krönen ließ und dessen bestialische Grausamkeiten in der Geschichte ihresgleichen suchen. 2003 putschte sich Francois Bozizé, ein General, mit französischer Hilfe an die Macht und löste seinen diktatorischen Vorgänger Patassé ab, dessen Vornamen Ange-Félix (glücklicher Engel) einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Die klimatischen Bedingungen sind wenig einladend. Der nördliche Teil ist gekennzeichnet von weitgehend durch Rodung zerstörten Feucht- und Trockensavannen, und der tropische Regenwald im Süden bietet wenig Anreiz für die Besiedlung durch den Menschen, das Land hat nur etwa 4 Millionen Einwohner. Darauf ergibt sich der Vorteil von weitgehend unberührt gebliebenen Lebensräumen für die Tierwelt.

    Fast die Hälfte der Bevölkerung wohnt in der im Südwesten am Ufer des Ubangi gelegenen Hauptstadt Bangui, und die restlichen Bewohner leben fast nur im Westteil des Landes. Sie gehören weitgehend den sogenannten Ubangi-Gruppen an, die Bantu sprechen. Pygmäen (eine Bezeichnung für ursprünglich im zentralafrikanischen Regenwald beheimatete kleinwüchsige afrikanische Völker) bilden heute eine Minderheit. Angesichts der katastrophalen Bedingungen, unter denen der größte Teil der Bevölkerung lebt, ist es erstaunlich, dass das Land erst Platz 10 auf der Liste der „10 top most failed states“ einnimmt, die das Foreign Policy Magazine 2012 veröffentlich hat. Die medizinische Versorgung ist so gut wie nicht existierend, mindestens 13 Prozent der Bevölkerung sind HIV-infiziert, daneben gibt es viele Tropenkrankheiten wie Malaria, Lepra und die Schlafkrankheit. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 43 Jahren, und die Säuglingssterblichkeit bei 10 Prozent. Nur etwa die Hälfte der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Die Infrastruktur ist schlecht ausgebaut, es gibt im Gegensatz zu den Nachbarländern kein Eisenbahnnetz.

    Das Land bezieht den allergrößten Teil seines Einkommens aus dem Export von Tropenhölzern, der zunehmend durch den Schwarzhandel gefährdet ist, der durch die bürgerkriegsähnlichen Zustände der letzten sechs Jahre begünstigt wird. Tabak, Baumwolle und Kaffee sind weitere Exportartikel. Im Dezember 2012 ist die Zentralafrikanische Republik unliebsam in die Schlagzeilen geraten, als jahrelang schwelende Kämpfe zwischen der Rebellenorganisation Séléka, die sich aus miteinander rivalisierenden ethnischen Gruppen zusammensetzt, und der Regierung zu eskalieren drohten. Als die Rebellen immer näher an die Hauptstadt Bangui heranrückten (und auf dem Weg dorthin auch die Stadt Bria im östlichen Diamantenabbaugebiet besetzt hielten), bat Präsident Bozizé Frankreich und auch die USA um Hilfe. Beide Staaten verhielten sich jedoch zurückhaltend. Präsident Obama beorderte seinen Botschafter zurück, und Francois Hollande schickte lediglich 500 Mann zum Schutz der im Land lebenden französischen Staatsbürger. Stattdessen kamen der Tschad und andere Nachbarstaaten, darunter auch Südafrika, mit Truppen zur Hilfe. Vor allem der Tschad ist daran interessiert, Präsident Bozizé zu unterstützen, um einen Verbündeten gegen den Sudan zu gewinnen. Der Sudan seinerseits unterstützt seit 2007 zentral-afrikanische Rebellengruppen wie die UFDR und weitete damit den Dafur-Krieg auf die Zentralafrikanische Republik aus. Südafrika ist wahrscheinlich daran interessiert, Minenkonzessionen in den Diamantgebieten zu erhalten.

    Unter der Aufsicht von ECCAS, der Wirtschaftsgemeinschaft zentralafrikanischer Staaten, kam es Anfang Januar 2013 in Libreville, der Hauptstadt von Gabun, zu Friedensverhandlungen. Das anvisierte neue Friedensabkommen, dem zwischen 2007 und 2011 diverse Abkommen vorausgegangen sind, wird wahrscheinlich keine Änderungen bewirken und auf Dauer gesehen nicht eingehalten werden. Das Problem liegt nicht bei den Rebellen (sie sind auch keine islamischen Extremisten, wie Präsident Bozizé gegenüber der internationalen Presse zu suggerieren versteht), sondern daran, dass das herrschende System an der nach-kolonialen afrikanischen Krankheit leidet: es ist korrupt, ausbeuterisch, diktatorisch und menschenverachtend. Die westlichen Staaten halten die Machthaber durch Päppeln am Leben, weil dies ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen dient. An allerletzter Stelle auf der Interessenliste steht die afrikanische Bevölkerung. Es scheint sich wenig oder gar nichts geändert zu haben, seitdem die französische Kolonialregierung im 19. Jahrhundert gezielte Kampagnen zur Bekämpfung der Schlafkrankheit durchgeführt hat, die einzig und allein darauf abzielten, einem Engpass billiger Arbeitskräfte an Ort und Stelle vorzubeugen.

    Die Kolonialgeschichte beginnt 1889 mit dem ersten französischen Militärposten in Bangui, 1900 erfolgt die offizielle Benennung des Militärterritoriums in Ubangi-Schari, das 1906 mit dem Tschad vereinigt, erst 1910 zu einer eigenständigen Kolonie innerhalb von Französisch-Äquatorialafrika wird. Teile im Westen des Landes gelangten 1911 unter der Bezeichnung Neukamerun an die Kolonie Deutsch-Kamerun, fielen aber mit dem Versailler Vertrag von 1919 wieder an Frankreich zurück.

    Diamantvorkommen

    Die Diamantvorkommen stehen an erster Stelle der ausgebeuteten Bodenschätze. Das Land verfügt aber auch über Vorkommen an Gold, Uran, Kupfer und Zink. Die Entdeckung der Diamantlagerstätten erfolgte 1914 im damaligen Französisch-Äquatorialafrika. Es handelt sich um alluviale Lagerstätten, die sich auf zwei etwa 450 km voneinander entfernt gelegene Gebiete verteilen, die im weitesten Sinn dem Ubangi-Fluss zugeordnet werden können. Der Einfachheit halber hat man sie daher zu Beginn in Ost-Ubangi und West-Ubangi unterteilt. Die Plateaus nördlich des Ubangi liegen am Rande des Kongo-Kraton, und es gibt wahrscheinlich eine enge Verbindung zwischen ihrer geologischen Struktur und dem Bakwanga-Gebiet in der Demokratischen Republik Kongo, das sich genau in der Mitte des Kongo-Kraton befindet, wo kimberlitische Intrusionen in der späten Kreidezeit, etwa vor 70 Millionen Jahren, stattfanden. Die Ubangi-Lagerstätten weisen in der Beschaffenheit ihrer Diamanten eine große Ähnlichkeit mit Bakwanga auf, dies deutet auf die gleiche ursprüngliche Quelle mit hohem Diamantgehalt hin. Der genaue Ursprungsort der zentralafrikanischen Diamanten konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Das Kongo-Kraton liegt innerhalb des großen Angola-Kongo-Tansania-Kratons, in dessen Bereich eine Reihe von diamantproduzierenden Ländern fallen.

    Auf der Lagerstätte Ost-Ubangi sind die Diamanten weit verteilt über das im Kotto-Becken gelegene Sandstein-Plateau von Mouka-Ouadda und bei der Stadt Bria anzutreffen. Für die West-Ubangi-Lagerstätte sind zwei Flussläufe von Bedeutung, die Umgebung von Berberati entlang des Lobaye und der Sangha. Die Lagerstätten sind besonders reichhaltig am Oberlauf des Sangha. Die Diamanten werden sowohl in den ursprünglichen Konglomeratschichten als auch auf alluvialen Lagerstätten zweiten und dritten Grades gefunden, in die sie aufgrund der klimatischen Bedingungen mit starken Regenfällen und vielen Flussläufen umgebettet wurden. Der Boungou-Fluss, größter Nebenfluss des Kotto, und seine Nebenflüsse liefern heute etwa 25 Prozent der Produktion. Drei alluviale Felder, Djourou. Aigbando und Trouapou-Boungou stehen an erster Stelle. Sie liegen etwa 80 km nordwestlich der Stadt Bria.

    Carbonado-Diamant

    Seit mehr als 80 Jahren liefern die Ubangi-Lagerstätten beträchtliche Mengen an Schmuck- und Industriediamant, wobei der Anteil an Schmuckdiamanten etwa 40 Prozent beträgt. Die jährlichen Exportzahlen bewegten sich bis in die frühen 1980er Jahre bei durchschnittlich 250.000 Karat und konnten bis zu 500.000 Karat erreichen, sie werden heute mit etwa 600.000 Karat geschätzt. Die Zentralafrikanische Republik ist das einzige Land neben Brasilien, das sogenannten Carbonado liefert. Die Bezeichnung wurde zum ersten Mal für in der Provinz Bahia 1844 entdeckten schwarzen Diamant verwendet, bei dem es sich um ein Aggregat von dicht verwachsenen kleinen, unreinen Diamantkristallen handelt, das besonders widerstandsfähig und für die industrielle Anwendung begehrt ist.

    Eine Reihe ausländischer Unternehmen, darunter die kanadische Firma Vaaldiam, haben über die Jahre hinweg immer wieder versucht, einen technisierten und organisierten Abbau ins Auge zu fassen. Über wirkliche Erfolge ist so gut wie nichts bekannt. Das Unternehmen CAMCO (Central African Mining Company) hält Lizenzen für ein Gebiet von 11.600 Quadratkilometer. Der tatsächliche Abbau findet fast nur als Kleinstbergbau (im Englischen als „artisanal mining“ bezeichnet) statt, mit dem das Graben von Hand, unter Anwendung einfachster Hilfsmethoden, gemeint ist. Er ist, entsprechend der allgemeinen Situation des Landes, gekennzeichnet von unwürdigen Bedingungen und Gefahren, die die große Armut der Bevölkerung widerspiegeln. Es wird von 80.000 bis 100.000, zum größten Teil Schürfern ohne Lizenz ausgegangen, die nur mit Hacke und Schaufel bewaffnet sich jeden Tag wieder auf den Weg machen. Sie müssen unverhältnismäßig hohe Lizenzgebühren an den Staat bezahlen und darüber hinaus bezahlen sie Bestechungsgelder an die lokalen Polizisten. Sie können ihrerseits die gefundenen Diamanten nur zu einem geringen Betrag an hauptsächlich aus Westafrika kommende Zwischenhändler an Ort und Stelle verkaufen. Die Frage kommt auf, inwieweit Abbau und Export von Diamanten auf legale Art und Weise erfolgen. Der Präsident selbst und sein Hofstaat kontrollieren den Diamantenmarkt, und es wird oft gesagt, dass selbst die Bürgerkriege im Land der Diamanten wegen geführt werden. Die Rebellengruppe UFDR baut z.B. selbst Diamanten im östlichen Teil des Landes ab und verkauft sie auf dem schwarzen Markt. Der dänische Dokumentarfilmer Mads Brügger zeigt in seinem Film von 2012, dass die Ausfuhr von „Blutdiamanten“ ein attraktives Nebengeschäft für viele Diplomaten in Bangui ist. Beteiligt sind nach Berichten von Augenzeugen auch französische Soldaten, russische Diamanten- und Waffenhändler und sogar Uno-Mitarbeiter, ganz abgesehen von Angehörigen der Armee des Landes und der sich aus verschiedenen Ethnien zusammensetzenden Rebellengruppen. Darüber hinaus sind die staatlichen Kontrollbehörden nicht in der Lage, ihrer Überwachungsfunktion nachzukommen. Der heutige Staat Zentralafrikanische Republik setzt die von den Franzosen begonnene Politik der Ausbeutung seinen eigenen Bürgern gegenüber fort.