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Autoren aus Hochschulen und Industrieunternehmen berichten über Innovationen, Tests und Trends.


Editorial Ausgabe 2/2019: Nervosität macht sich breit


Katja Dümpert

Wer denkt beim Stichwort „Seidenstraße“ nicht sofort an staubige Kamel-Karawanen, die edle Stoffe, Gold, Jade und kostbare Gewürze durch die Wüste schaukeln, oder an Marco Polo, der auf dem Rückweg aus China angeblich die Nudel nach Italien mitbrachte. Es klingt nach einer bewegten Abenteuerreise, an deren Ende Ruhm und Reichtum winken. Gerade aber mit dem Projekt der neuen Seidenstraße „One Belt, One Road“ scheint Europa wie versteinert dazustehen angesichts der chinesischen Idee, ein gigantisches wirtschaftspolitisches Projekt für das 21. Jahrhundert zu planen und voranzutreiben. China wird vermutlich mit seinem Riesenreich von 1,4 Milliarden Einwohnern die Weltwirtschaft revolutionieren wollen und mit dem größten Infrastrukturprogramm aller Zeiten neue Eisenbahnstrecken, Pipelines, Kraftwerke, Straßen und Häfen bauen, um Ost und West, von Java bis Kasachstan, von Dschibuti bis Duisburg zu verbinden.

Mehrere Jahrzehnte Reformpolitik haben China zu einem wirtschaftlichen Giganten gemacht, der sich nun anschickt, die globalen Handelsströme neu zu definieren. Hinzu kommt, dass das „Land des Lächelns“ mehr und mehr in westliche Unternehmen investiert. Nicht unbedingt mit dem Ziel, Know-how zu stehlen, sondern China versucht mit seinen Investitionen politisch Einfluss zu erkaufen. Seit der Hafen von Piräus in chinesischer Hand ist, boomen dort die Geschäfte. Geld fließt wieder in griechische Kassen, Arbeitsplätze wurden geschaffen und die Wirtschaft ist angekurbelt. Auffällig ist, dass Griechenland in jüngster Zeit mehrere Stellungnahmen der EU gegen China verhinderte. Auch in Ungarn, Tschechien und mehreren südosteuropäischen Staaten investiert China hohe Summen – und wird im Gegenzug mit einer China-freundlichen Politik belohnt. EU-Werte und -Interessen werden dagegen hintenangestellt.

Auch im Bereich der Rohstoffe scheint China dem Westen überlegen zu sein. Seltene Erden sind innerhalb weniger Jahre zum liebsten Metall der High-Tech-Industrie geworden. 95 Prozent der bisher bekannten Vorkommen liegen in China und seit 2010 wurde die Ausfuhr stark eingeschränkt. Hintergrund dafür soll der Schutz der Umwelt sein. Denn der Abbau der Metalle ist nicht nur für die Minenarbeiter, sondern auch für die Umwelt eine starke Belastung. Damit werden auch die Perspektiven am Rohstoffmarkt ganz entscheidend von China beeinflusst.

Und dann wäre da noch 5G, der kommende Mobilfunkstandard. Wer das 5G-Netz kontrolliert, verfügt über eine entscheidende globale Machtposition. Das weiß auch die chinesische Regierung, die eine Führungsrolle im Bereich Hochtechnologie anstrebt. Huawei ist mittlerweile der drittgrößte Anbieter von Smartphones geworden. Nach Angaben der Chinesen nutzt bereits mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung direkt oder indirekt die Technologie von Huawei. Das hat auch die USA auf den Plan gerufen. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China ist erst vor diesem Hintergrund richtig zu verstehen. Final geht es um die technologische Vorherrschaft, die die USA ganz selbstverständlich über viele Jahrzehnte in entscheidenden Bereichen für sich in Anspruch nehmen konnten. Und wir Europäer? Im Moment scheinen wir eine diffuse Angst vor dem Riesenreich zu haben und verharren in der unvorteilhaften „Warten wir mal ab“- Position. China ist nach wie vor der wichtigste Handelspartner der EU. Damit das so bleibt, sollte Europa nach einer gemeinsamen Antwort suchen, auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren und Werte beziehungsweise Interessen gegenüber China selbstbewusst vertreten. Nur dann wird es gelingen, dass die „Neue Seidenstraße“ keine Einbahnstraße wird und eine Win-Win-Beziehung für beide Seiten entsteht.

Ihre Katja Dümpert

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